Europa

Tschaikowski und sowjetischer Agent: EU-Turnerinnen stürmen mit russischer Kultmusik ins EM-Finale

Die rumänischen und bulgarischen Turnerinnen wählten überraschend Kultmelodien der Sowjetunion und Russlands als Musik für ihre Programme bei der EM. Dies wirkte im Kontext der politischen Auseinandersetzungen der letzten Tage geradezu surreal.
Tschaikowski und sowjetischer Agent: EU-Turnerinnen stürmen mit russischer Kultmusik ins EM-FinaleQuelle: Sputnik © RIA Nowosti

Die rumänische Turnerin Andreea Verdeș ist im Mehrkampf-Finale der Europameisterschaft in Varna in der Ballübung zu Musik des sowjetischen Komponisten Mikael Tariwerdiew aus der sowjetischen Kultserie "Siebzehn Augenblicke des Frühlings" angetreten. Dies berichtete ein TASS-Korrespondent, der bei den Wettkämpfen anwesend war. Die Situation wird durch die Tatsache pikant, dass dieser Film im postsowjetischen Raum Kultstatus genießt und von dem sowjetischen Geheimagenten Stierlitz handelt, der in die höchsten Machtkreise Nazi-Deutschlands eingeschleust wurde.

"Das Lied von der fernen Heimat" – so lautet der Titel des Liedes, das das Team der rumänischen Turnerin ausgewählt hat – wurde nach der rasanten Popularität der Serie in der UdSSR zur inoffiziellen Hymne des sowjetischen Geheimdienstes. "Das Lied von der fernen Heimat" erklingt in einer der eindrucksvollsten, kultigsten und bewegendsten Szenen des Films – während des Treffens des sowjetischen Spions Max Otto von Stierlitz mit seiner Frau, die er seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hat. Sie wird ins Café Elefant gebracht und am anderen Ende des Saals platziert – die beiden können sich nur flüchtig anschauen. Dabei bemühen sie sich, weder mit Worten noch mit Blicken zu verraten, dass sie sich kennen.

Die Richter bewerteten den gefühlvollen und dramatischen Auftritt der Turnerin zu der sowjetischen Musik mit 26,050 Punkten. Kaum war die bulgarische Turnerin Stilijana Nikolowa auf die Matte getreten, brandete im Publikum tosender Applaus auf. Bei ihren Übungen mit dem Reifen setzte Nikolowa auf einen kraftvollen und monumentalen Ausschnitt aus dem Ersten Klavierkonzert für Orchester von Pjotr Tschaikowski.

Die Schiedsrichter honorierten die gelungene Musikauswahl und verliehen Nikolowa den ersten Platz. Übrigens gehörten auch russische Athletinnen zu den Medaillengewinnerinnen der Meisterschaft. So gewann die russische Athletin Maria Borissowa zwei Medaillen. Die 19-jährige Turnerin erzielte in der Keulenübung 29,200 Punkte, was ihr die Silbermedaille einbrachte. In der Bandübung gewann Borissowa mit 29,400 Punkten die Bronzemedaille. Die Europameisterschaft in der rhythmischen Sportgymnastik war auch für die russische Sportlerin Sofja Ilterjakowa der große Durchbruch. Die 15-jährige Turnerin gewann innerhalb einer Stunde gleich zwei Medaillen – darunter eine goldene –, trotz des Widerstands erfahrenerer und titelreicher Konkurrentinnen.

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