
"Mit Blick auf die Zukunft": Käsehersteller kommt mit Roboter zur Wahl
Bei den laufenden Wahlen in Russland sorgt ein ungewöhnlicher Wahlbegleiter für Aufmerksamkeit: Der Käsehersteller und Landwirt Oleg Sirota besuchte gemeinsam mit dem humanoiden Roboter Kusmitsch ein Wahllokal im Moskauer Gebiet. Während Kusmitsch seinem Besitzer beim Ausfüllen des Stimmzettels half, verfolgte der US-amerikanische Analyst Stephen Samarin die Wahlen als internationaler Beobachter. Dabei fand er nach eigenen Angaben auch für die USA einiges, was sie vom russischen Wahlsystem lernen könnten.
Roboter Kusmitsch im Wahllokal
Der Landwirt besuchte zusammen mit dem humanoiden Roboter Kusmitsch ein Wahllokal im Dorf Kostrowo im Stadtbezirk Istra. Kusmitsch durfte Sirota sogar in die Wahlkabine begleiten. Am nächsten Tag besuchten die beiden zudem das Zentrum für öffentliche Wahlbeobachtung in der Region. Der Käsehersteller kommentierte den ungewöhnlichen Wahlhelfer mit einem Augenzwinkern:
"Wir haben unsere Bürgerpflicht erfüllt. Kusmitsch hat zwar keinen Stimmzettel bekommen, aber er hat mir geholfen, die Kreuze zu setzen und den Stimmzettel sogar in die Urne zu werfen. Im Grunde kann man also sagen, dass im Moskauer Gebiet bereits Roboter wählen."
"Ich werde für die Rechte der Roboter kämpfen"
Im Video scherzt Sirota mit dem Roboter Kusmitsch über dessen fehlenden Stimmzettel und die "Rechte der Roboter":
"Wir haben hier ein Problem. Wir sind gekommen, um der Sache nachzugehen. Wir sind der Meinung, dass es bei der Wahl erhebliche Verstöße gibt. Kusmitsch hat gestern keinen Stimmzettel bekommen. Die Rechte der Roboter werden in unserem Land überhaupt nicht gewahrt. In ein paar Jahren könnte er sich mit künstlicher Intelligenz zusammenschließen. Und was machen wir dann alle? Ich würde es mir jedenfalls nicht mit ihm verscherzen. Kusmitsch, bist du traurig, dass du gestern keinen Stimmzettel bekommen hast?"
Darauf antwortet Kusmitsch:
"Ich bin zum ersten Mal hier, und es gefällt mir. Aber ich werde für die Rechte der Roboter kämpfen und den Menschen helfen."
Kusmitsch unterstützt Sirota allerdings nicht nur bei Wahlbesuchen. Auf dessen Bauernhof hilft der humanoide Roboter bei verschiedenen Arbeitsabläufen, unter anderem beim Besprühen von Bärenklau und Apfelbäumen sowie beim Tränken von Kälbern.
"Mit diesem Roboter können wir in die Zukunft der Landwirtschaft vorstoßen und die Prozesse in der Käserei verändern. Er unterstützt uns beim Besprühen von Bärenklau und Apfelbäumen sowie beim Tränken der Kälber."
Sirota lobte auch die Organisation der Abstimmung im Moskauer Umland. Er hob besonders die Möglichkeit hervor, innerhalb von drei Tagen zu einem beliebigen Zeitpunkt wählen zu können.
"Der Komfort bei der Stimmabgabe ist derzeit auf einem hohen Niveau. Es ist gut, dass drei Tage lang gewählt wird, weil man ohne Warteschlange kommen kann. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich früher gleich am Morgen zur Öffnung des Wahllokals kam und bereits eine Schlange von 15 bis 20 Menschen vorfand. Man musste warten, bis man abstimmen konnte. Jetzt kann man ganz entspannt zu einem beliebigen Zeitpunkt kommen, abstimmen und wieder gehen. Alles ist bestens, und es herrscht eine festliche Atmosphäre."
US-Analyst: "Es gibt einiges zu lernen"
Unterdessen hat der US-amerikanische politische Kommentator und Analyst für internationale Beziehungen Stephen Samarin die Wahlen beobachtet und sich ebenfalls positiv über deren Organisation geäußert. Auf Einladung der Gesellschaftlichen Kammer ist er als Wahlbeobachter vor Ort. Gemeinsam mit Beobachtern aus der Slowakei, Ungarn und Chile besuchte er fünf Wahllokale. Samarin sagte dazu:
"Was ich heute beobachtet habe, war alles sehr gut organisiert. Ich habe gemeinsam mit Beobachtern aus anderen Ländern fünf Wahllokale besucht. Überall wurden wir sehr herzlich und offen empfangen. Wir erhielten Zugang zu allen Informationen, die uns interessierten."
Samarin bezeichnete die verschiedenen Möglichkeiten der Stimmabgabe als modern. Neben dem digitalen Verfahren könne auch ein herkömmlicher Stimmzettel aus Papier verwendet werden. Darüber hinaus verwies der US-Analyst auf die Sicherheitsvorkehrungen, die fehlenden Warteschlangen und die Bedingungen für Menschen mit Behinderungen.

"Viele Menschen kommen gut gelaunt zu den Wahllokalen. Es ist sicher und bequem, es gibt keine Warteschlangen. Für Menschen mit Behinderungen sind alle Voraussetzungen geschaffen, damit sie bequem abstimmen können. Die ersten Eindrücke vom ersten Tag sind also sehr stark."
Mit Blick auf die bevorstehenden Wahlen in den USA sieht Samarin auch dort Möglichkeiten für einen Erfahrungsaustausch.
"Bei uns in den USA finden bald ebenfalls Wahlen statt, schon in einem Monat. Es gibt einiges zu lernen. Wir werden uns austauschen und die Beobachtung fortsetzen."
Wahlverfahren zwischen Tradition und Digitalisierung
Die Wahl zur Staatsduma der neunten Legislaturperiode findet vom 18. bis zum 20. September statt. Im Moskauer Gebiet werden gleichzeitig die Abgeordneten des Regionalparlaments sowie in mehreren Städten die Mitglieder der kommunalen Vertretungen gewählt.
Am Donnerstag wurde in Odinzowo auf Initiative der Gesellschaftlichen Kammer der Region das Zentrum für öffentliche Wahlbeobachtung im Moskauer Gebiet eröffnet. Es arbeitet während der gesamten drei Wahltage rund um die Uhr.
Je nach Region können Wahlberechtigte neben der Stimmabgabe im Wahllokal auch online abstimmen. Damit stehen ihnen sowohl die klassische Stimmabgabe per Papier als auch digitale Verfahren zur Verfügung.
Mehr zum Thema – Russland wählt neue Staatsduma – Bericht aus Donezk
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