
Babler am Ende: Nur fünf Prozent würden ihn zum Kanzler wählen, doch er feiert den "Riesenerfolg"

Andreas Babler tritt als SPÖ-Chef ab, und die Umfragen sehen für ihn und seine Partei düster aus. In der Kanzlerfrage der neuen Lazarsfeld-Umfrage für oe24 kommt er nur noch auf fünf Prozent. Die SPÖ fällt auf 14 Prozent, ein Wert, den oe24 als historisches Tief bezeichnet.
Damit liegt Babler hinter allen anderen abgefragten Politikern. Selbst Grünen-Chefin Leonore Gewessler (8 Prozent) und NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger (7 Prozent) liegen vor ihm. Bundeskanzler Christian Stocker kommt auf 13 Prozent.

Klar vorne liegt FPÖ-Chef Herbert Kickl mit 34 Prozent, mehr als die vier anderen zusammen, die gemeinsam auf 33 kommen. Babler verliert gegenüber der Vorwoche drei Prozentpunkte.
Befragt wurden am 5. und 6. Oktober insgesamt 1.000 Personen. Die veröffentlichten Kanzlerwerte sind Rohdaten und nicht hochgerechnet.
Da der österreichische Bundeskanzler nicht direkt vom Volk gewählt wird, spiegeln die Zahlen lediglich die persönliche Präferenz der Befragten wider und keine tatsächliche Wahlabsicht. Bei dieser Stichprobengröße liegt die statistische Schwankungsbreite bei rund drei Prozentpunkten. Die geringen Abstände zwischen Babler, Meinl-Reisinger und Gewessler sind daher mit Vorsicht zu interpretieren.

Neu sind die schwachen Werte allerdings nicht. Schon im Juni lag Babler mit sieben Prozent am Ende des Feldes, Anfang September kam er kurz auf neun, jetzt sind es wieder fünf.
Auch seine Partei verliert. In der Sonntagsfrage büßt die SPÖ drei Punkte ein und steht bei 14 Prozent.
Die FPÖ liegt bei 41, die ÖVP bei 20, die Grünen bei 12, die NEOS bei 6 und die KPÖ bei 4 Prozent. ÖVP, SPÖ und NEOS kämen zusammen auf 40 Prozent, einen Punkt weniger als die FPÖ allein. Mit der Regierung sind 54 Prozent unzufrieden, nur 20 Prozent zufrieden.

Ein neuer Spitzenkandidat würde die Lage laut Umfrage nicht von selbst verbessern. Mit Finanzminister Markus Marterbauer käme die SPÖ auf 16 Prozent, die FPÖ auf 39, die ÖVP auf 18 und die NEOS auf 9. Mit Gerhard Zeiler wären es nur 12 Prozent, und die SPÖ läge hinter den Grünen, die auf 13 kämen. In der Partei gilt Marterbauer als Wunschkandidat für den Vorsitz. Von einer eigenen Kandidatur ist bisher nichts bekannt.
Babler selbst sieht seinen Abgang positiv. Am Dienstag nannte er den vereinbarten Übergang in einem Video an die Mitglieder einen "Riesenerfolg". Eine geordnete Übergabe habe es seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben. Auf dem Parteitag im März hatte er noch 81,51 Prozent der Delegiertenstimmen erhalten.
Am Donnerstag setzte der Bundesparteivorstand Eva-Maria Holzleitner und Philip Kucher einstimmig als geschäftsführende Vorsitzende ein. Beide haben erklärt, nicht selbst für den Vorsitz kandidieren zu wollen.
Sie sollen den Wechsel vorbereiten, bis ein Parteitag im ersten Quartal 2027 die neue Spitze wählt. Babler bleibt vorerst Vizekanzler und Fraktionsvorsitzender. Marterbauer soll das Vizekanzleramt zu Jahresbeginn übernehmen. Ob Babler dann Minister bleibt, ist offen. Er verwies darauf, dass der Vizekanzler sein Team üblicherweise selbst zusammenstellt, eine Entscheidung gibt es nicht.
Wie die neue Doppelspitze bei den Wählern ankommt, zeigt die Umfrage noch nicht. Sie war abgeschlossen, bevor Holzleitner und Kucher bestellt wurden. Die Zahlen zeigen damit den Stand der SPÖ unmittelbar vor dem Führungswechsel, und der ist schwierig. Die Nachfolger müssen bei fünf Prozent in der Kanzlerfrage und 14 Prozent für die Partei beginnen.
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