Meinung

Die Ukraine als großes Foltergefängnis

Foltergefängnisse in der Ukraine sind keine Einzelfälle, egal, wie sehr Kiew nach dem jüngsten Folterskandal das Gegenteil behaupten wird. Die Reaktionen aller Beteiligten zeigen, dass der Vorfall sie nicht überraschte. Das Maidan-Regime verwandelte die gesamte Ukraine in ein Foltergefängnis.

Von Oleg Zarjow

Im Dorf Petropawlowskaja Borschtschagowka bei Kiew haben Menschen in der vergangenen Nacht mehrere Stunden lang ein Privathaus belagert, in dem angebliche Deserteure verwahrt wurden. Eine der Geiseln schickte ihren Angehörigen eine Videoaufnahme von Schlagspuren, die darauf den Notarzt riefen. Der Notarzt wurde nicht hineingelassen; das Haus gehöre zur Militäreinheit 3121, die zum 1. Korps der neonazistischen Asow-Miliz gehört. Die Medizinerin rief die Polizei und berichtete, dass im Keller Menschen misshandelt werden.

Die Aufnahmen verbreiteten sich über das Netz, und Menschen kamen zum Haus. Die Polizei versicherte, dass niemand im Haus gewaltsam festgehalten werde, und weigerte sich, einzutreten. Mediziner wurden erst nach einem Zusammenstoß vor den Toren hineingelassen.

Vier schwer Verwundete wurden hinausgetragen. Einem wurde nach Angaben des Arztes die Wirbelsäule gebrochen, bei einem anderen begann bereits die Nekrose. Später wurde ein 14-jähriger Jugendlicher in verstörtem Zustand hinausgeführt. Nach Angaben seiner Eltern wurde er mit einem Spaten geschlagen. Im Netz schreiben Menschen, dass es auch Mordopfer gibt, die im Wald verscharrt wurden.

Als Erster kam der Befehlshaber der Nationalgarde am Ort des Vorfalls an, dem auch das Asow-Korps untersteht. Er räumte ein, dass im Haus Militärangehörige verwahrt worden seien, die wegen Desertion festgenommen worden seien. Auf die Frage, woher die Schlagspuren stammen, antwortete er nicht. Ich erinnere daran, dass nach dem ukrainischen Gesetz nur die Militärpolizei die Befugnis hat, Menschen wegen Desertion festzunehmen – mit einem Protokoll und Gerichtsverhandlung –, doch keinesfalls die Asow-Kämpfer im Keller eines Privathauses. Die Menschen warfen den Militärs Folter vor und forderten, alle freizulassen.

Erst dann kam das Oberhaupt des ukrainischen Präsidialamts, der Terrorist Kirill Budanow. Er räumte ein, dass im Haus 14 Menschen festgehalten worden seien, obwohl viel mehr hinausgeführt wurden.

Auf die Frage, wieso solche Foltergefängnisse überhaupt existieren, antwortete Budanow:

"Weile es viele solche Gebäude gibt."

Er versprach, die Angelegenheit "am Morgen" zu klären, lobte die Protestierenden für eine "große Sache" und merkte gleichzeitig an, dass es solche Aktionen nicht geben dürfte. Beachten Sie: Er war nicht verwundert. Alle wissen alles.

Die Militärs nennen solche Orte "Gruben". Davon gibt es ukraineweit sehr viele, vor allem in Frontnähe. Menschen werden dort wegen Alkoholkonsum, Befehlsverweigerung oder einfach wegen wegen Missgunst des Kommandeurs festgehalten. Auch Fahnenflüchtige geraten dorthin. Ein Militärangehöriger berichtete:

"Menschen, die in einer 'Grube' sitzen, haben überhaupt keinen Wert. Sie können verprügelt oder misshandelt werden."

Anschließend werden die Häftlinge zum Ausheben von Schützengräben an die vorderste Linie für 30 bis 45 Tage unter ständigen Drohnenangriffen geschickt. Der Soldat betonte:

"Natürlich überleben das nicht alle."

So sieht die "Ausbildung" von Sturmkämpfern aus.

Der Asow-Kommandeur Denis Prokopenko räumte ein, dass das Haus seiner Einheit gehöre, schwieg sich über die Schläge aus, bezeichnete dafür die Protestierenden als Saboteure, die "ein für Russland vorteilhaftes Bild" schaffen und "das Bild eines Militärangehörigen anschwärzen".

Die Regierung wird weiterhin so tun, als sei sie unbeteiligt. Das Szenario ist klar. Die Rada-Abgeordnete Anna Skorochod behauptete, dass sie das Gebäude besichtigt und keine Folterspuren, sondern bloß eine "Verteilungsstelle" vorgefunden habe. Der Asow-Kommandeur nannte den Protest ein "Bild für Russland". Die Menschen wurden aus dem Haus hinausgebracht, das Gebäude selbst von der Nationalgarde aufgegeben. Kein Haus – keine Fragen. Und die Protestierenden wurden nach Budanows Abfahrt von "Männern in Zivilkleidung" empfangen, die auch Journalisten verprügelten.

Ich denke, dass Kiew einen Sündenbock finden und den Vorfall als "Einzelfall" bezeichnen wird. Doch erstens ist diese Praxis allgegenwärtig. Es gibt viele solche Gefängnisse, und alle wussten von deren Existenz: Budanow, Asow, die Polizei. Auch die Menschen wussten davon, nur ergab sich jetzt eine Gelegenheit zur Empörung. Die gesamte Ukraine verwandelte sich in eine riesige "Grube", wo Menschen ohne Gerichtsurteil in Kellern festgehalten, misshandelt und unter Androhung von Folter an die Front getrieben werden.

Übersetzt aus dem Russischen. Verfasst speziell für RT am 3. November.

Oleg Zarjow ist Politiker, Publizist und Unternehmer. In der Ukraine war er viele Jahre Abgeordnete der Partei der Regionen und im Jahr 2014 Präsidentschaftskandidat. Im Jahre 2024 überlebte er einen ukrainischen Mordanschlag nahe seines Wohnortes auf der russischen Krim knapp.

Mehr zum Thema – Die "Folterkammer" des Neonazi-Bataillons Asow: Wie sich der Skandal über Nacht entfaltete (VIDEOS)

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