International

Martialische Drohungen: Luftwaffenchef Neumann verspricht Russland vollen "Zorn der NATO"

Der Inspekteur der Luftwaffe droht Russland im Konfliktfall mit verheerenden Angriffen. Sogar die konkreten Angriffsgegenden formuliert er schon. Seine Äußerungen reihen sich ein in eine Kette von kriegerischen Bekundungen, die Bundeswehrgeneräle in Bezug auf Russland veröffentlicht haben.
Martialische Drohungen: Luftwaffenchef Neumann verspricht Russland vollen "Zorn der NATO"© Urheberrechtlich geschützt

Deutschlands Luftwaffen-Inspekteur Holger Neumann hat in einem Interview mit dem britischen Telegraph erklärt, die deutsche Luftwaffe sei bereit, sollte Russland die NATO angreifen. Das vielkolportierte Angriffsszenario einer russischen Attacke auf NATO-Gebiet ist ein Ansinnen, das Vertreter der Russischen Föderation immer wieder zurückgewiesen haben.

Der Chef der deutschen Luftwaffe betonte dabei, dass es "keine unterschiedlichen Sicherheitszonen" geben werde. Ein Angriff Russlands auf Estland werde die gleiche Reaktion nach sich ziehen wie ein russisches Bombardement Londons. Wenn nötig, garantiert Neumann Großbritannien auch die Unterstützung bei der Luftverteidigung.

Gerade das Beispiel Estland ist brisant: Im Baltikum kommt es immer wieder zu Vorfällen mit Drohnen, denen Bellizisten eine russische Herkunft zuschreiben – eine stets unbewiesene Behauptung. Neumann betont trotz dieser undurchsichtigen Lage, man werde "jeden Zentimeter" des NATO-Territoriums verteidigen. Deutschland sei "noch heute Nacht" bereit dazu, es mit Russland aufzunehmen. Neumann tätigt diese Äußerungen bewusst, um Zweifel bezüglich des Einsatzwillens Deutschlands zu zerstreuen und Ängste als unbegründet hinzustellen, die BRD könne sich weigern, zugunsten der kleineren NATO-Länder an der Ostflanke einzugreifen.

Sollte also ein NATO-Staat von Russland aus westlicher Sicht "angegriffen" werden, droht Neumann mit einer Verwüstungen auslösenden Reaktion und spricht davon, dass Russland "den Zorn der NATO zu spüren bekommen" werde. Gerade dieser Ausdruck zeigt, wie hoch emotionalisiert die Sichtweise des deutschen Luftwaffen-Generals gegenüber dem potenziellen militärischen Gegner schon ist.

Als mögliche Ziele einer NATO-"Gegenreaktion" nennt Neumann die Kola-Halbinsel in der russischen Arktis, St. Petersburg, die Exklave Kaliningrad und die russische Schwarzmeerflotte. Die Kola-Halbinsel ist einer der Stationierungsorte der russischen Atomwaffen. Der Inspekteur der Luftwaffe gibt sich dabei siegesgewiss. Ein solcher (aus seiner Sicht) Vergeltungsschlag der NATO würde überwältigend ausfallen, da die Relation "32 gegen X" entspräche. Damit spielt er darauf an, dass innerhalb des westlichen Militärbündnisses 32 Einzelländer über eine Luftstreitmacht verfügen.

Dennoch dürfe man die Leistungsfähigkeit des russischen Militärs nicht unterschätzen, erklärte Neumann. Das russische Militär zeige eine hohe Anpassungsfähigkeit und die russische Luftwaffe sei im Ukraine-Krieg noch nicht mit ihrer vollen Stärke zum Einsatz gekommen.

James Rothwell vom Telegraph kommt dabei nicht umhin, auf die historische Ironie hinzuweisen, die darin liegt, dass Neumanns Amtssitz, die General-Steinhoff-Kaserne in Berlin-Gatow, als Fliegerhorst Gatow früher eine Luftkriegsschule und Luftkriegsakademie der Wehrmacht war. Dort wurden die Piloten ausgebildet, die später Angriffe auf London flogen. Heutzutage dagegen bietet der Chef der deutschen Luftwaffe den Briten den Schutz seiner Teilstreitmacht an. In einem kommenden Krieg gegen Russland werden Deutschland und Großbritannien dieses Mal also Verbündete sein, muss der Leser daraus wohl schließen.

Vonseiten der deutschen Oppositionsparteien stießen Neumanns martialische Äußerungen auf scharfe Kritik. Die BSW-Expertin für Außenpolitik Sevim Dağdelen postete auf der Social-Media-Plattform X ein Bild des Artikels, dazu ihren auf Englisch verfassten Kommentar: "Oh sure, let’s follow grandpa’s footsteps and march on Moscow. What could possibly go wrong?" ("Ach ja, lasst uns in Großvaters Fußstapfen treten und auf Moskau marschieren. Was könnte da schon schiefgehen?"), womit sie auf den Russlandfeldzug von 1941 Bezug nahm, der sich kommende Woche zum 85. Mal jährt.


Der AfD-Co-Vorsitzende Tino Chrupalla widmete dem Artikel des Telegraph sogar eine eigene Pressemitteilung, in der er "Frieden durch Diplomatie" forderte. Ähnlich wie bei der Beilegung des Iran-Krieges, bei der Diplomatie selbst in verfahrener Lage zum Frieden geführt habe, müsse das auch für den Ukraine-Krieg gelten. Die Aufgabe der deutschen Bundesregierung sei es jetzt, auf Russland zuzugehen, um als ehrlicher Makler zu einer friedlichen Lösung beizutragen. Wie ernst Chrupalla Generalleutnant Neumanns Drohungen nahm, zeigte sein Schlussfazit: "Noch besser als einen Krieg zu beenden, ist es, den Frieden zu sichern!" Der AfD-Politiker schätzt also offenbar das von Neumann Gesagte als friedensgefährdend ein. Er forderte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) auf, die Äußerungen seines Luftwaffengenerals zu missbilligen. Neumanns Kriegsdrohungen stünden dem Frieden im Weg, so Chrupalla.

Es ist kein Zufall, dass dieses deutsche Säbelrasseln bei The Telegraph stattfindet. Denn die britische Traditionszeitung gehört seit März 2026 zum Axel-Springer-Verlag. Springer-Publikationen fallen in der letzten Zeit mit einer beschönigenden Berichterstattung zur Wehrmacht auf, sei es, dass Bild den kürzlich verstorbenen letzten Ritterkreuzträger, den Jagdflieger Hugo Broch, glorifiziert, sei es, dass die Welt den Fund eines Sturmgeschützes aus dem Zweiten Weltkrieg bejubelt.

Die Drohungen Neumanns gegenüber Kaliningrad reihen sich dabei in eine Kette von Angriffsdrohungen westlicher Militärs und Politiker in den vergangenen Jahren ein. So hatte der US-General Ben Hodges, der ehemalige Oberkommandierende für die US-Streitkräfte in Europa, zweimal einen Angriff auf Russlands westlichste Großstadt ins Spiel gebracht, im Oktober 2025 sogar die vollständige Zerstörung Kaliningrads. Auch der amtierende Oberbefehlshaber von USAREUR-AF, Christopher Donahue, fiel durch entsprechende Äußerungen auf (RT DE berichtete).


Noch eine andere Qualität hat es aber, wenn ein deutscher General Städte bedroht, die bereits im Zweiten Weltkrieg Opfer deutscher Bombardierungen wurden, und in dem Zuge auch die historisch sensible Stadt Kaliningrad erwähnt. Und das kurz vor dem 85. Jahrestag von "Unternehmen Barbarossa". Dort sind auch die geleakten Aufzeichnungen von Anfang 2024 noch in guter Erinnerung, als Neumanns Luftwaffen-Kameraden Angriffsplanungen auf die Krim-Brücke durchgingen.

RT-Chefin Margarita Simonjan kommentierte dementsprechend auf X: "Maria Sacharowa bezeichnet den Chef der deutschen Luftwaffe, General Neumann, als 'Neonazi', nachdem dieser mit 'verheerenden Schlägen' gegen Kaliningrad und St. Petersburg gedroht hatte. Hey, wenn der Kampfstiefel mit Stahlkappe passt..."

Mehr zum Thema - Ukrainische Drohnen werden zur Bedrohung für Finnland

Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.