Asien

Japan: Regierung Takaichi nach Erdbeben im Umfragetief

Rund vierzehn Tage nach dem schweren Erdbeben in Japan sinken die Umfragewerte der japanischen Regierungschefin deutlich. Dies ergeben Umfragen der wichtigsten japanischen Medien. Allerdings weiß sie – im Gegensatz zum deutschen Bundeskanzler – immer noch eine Mehrzahl der Bürger hinter sich.
Japan: Regierung Takaichi nach Erdbeben im Umfragetief© urheberrechtlich geschützt

Seit Oktober 2025 lenkt mit Sanae Takaichi erstmals eine Frau als Regierungschefin die Geschicke Japans. Takaichi, die zugleich als Vorsitzende der Regierungspartei LDP fungiert, ist für ihre konservative und nationalistische Einstellung bekannt. Ihr großes Vorbild ist die frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher.

Allerdings scheint in jüngster Zeit die Zustimmung der Japaner zur Politik ihrer Premierministerin deutlich abzunehmen, auch wenn sie immer noch Umfragewerte erreicht, von denen die Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz nur träumen kann. 

Wie der japanische öffentlich-rechtliche Sender NHK gestern auf seiner Homepage bekannt gab, liegen nach einer von der Rundfunkgesellschaft durchgeführten Umfrage die Zustimmungswerte für das Kabinett Takaichi bei 53 Prozent. Das ist der niedrigste Wert seit Takaichis Amtsantritt im vergangenen Jahr. 

Die NHK-Zahlen sind aktuell und stammen vom vergangenen Wochenende. Insgesamt 2.925 zufällig ausgewählte Personen über 18 Jahre kontaktierte der Sender seinen Angaben zufolge, 1.205 Befragte antworteten. 

Demnach sank die Zustimmung zur Regierung unter Leitung von Sanae Takaichi im Vergleich zum Vormonat um fünf Prozentpunkte – ein deutlicher Popularitätsverlust. Noch stärker stieg die Ablehnungsrate. Hier betrug der Anstieg sechs Prozentpunkte auf nunmehr 33 Prozent.

NHK gab nicht an, wo die Gründe für die Verschlechterung der Umfragewerte zu finden sind. An der Krisenbewältigung der japanischen Regierung nach dem schweren Erdbeben von Ende Juli scheint es eher nicht zu liegen.

Denn eine Mehrzahl der Befragten verdeutlichte ihre Zustimmung zum Krisenmanagement des Kabinetts Takaichi. Bei elf Prozent fanden die Maßnahmen volle Zustimmung, bei 56 Prozent immerhin teilweise. In gewissem Umfang oder vollständig lehnten das Vorgehen der Regierung nur 21 beziehungsweise sechs Prozent ab.

Damit entspricht die NHK-Umfrage den Erkenntnissen anderer japanischer Medien, deren Umfragen vom Juli 2026 – also größtenteils noch vor dem Erdbeben vom 28. Juli – stammen. Die Online-Plattform nippon.com vermerkte bei einer Auflistung der Umfragen der acht wichtigsten japanischen Medien ebenfalls einen Beliebtheitsabschwung für die Premierministerin. 

Demnach sanken im Durchschnitt Takaichis Zustimmungswerte von über 60 auf nunmehr 50 Prozent im Vergleich zum Vormonat Juni. Lediglich bei einer Umfrage der konservativ ausgerichteten Tageszeitung Sankei Shimbun verblieben die Befragungsergebnisse bei über 60 Prozent.

Dagegen überwogen bei der Erhebung des Blattes Mainichi Shimbun mit 44 Prozent Ablehnung gegenüber 41 Prozent Zustimmung zu Takaichis Politik sogar erstmalig die negativen Ergebnisse.

Den Erkenntnissen von nippon.com zufolge dürfte der Abschwung der Popularitätsrate vor allem innenpolitische Gründe haben. So ergab eine Umfrage der Tageszeitung Yomiuri Shinbun, dass 62 Prozent der Befragten der Ansicht sind, die Regierung habe die Änderungen am Kaiserhausgesetz, das die Nachfolge im japanischen Kaiserhaus regelt, nur unzureichend kommuniziert.

Ebenso von großer Relevanz ist für die japanischen Bürger der Anstieg der Verbraucherpreise. Aufgrund der hohen Energiepreise lag der Anstieg der Kerninflation in Japan im Juli bei 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Wert lag über den Erwartungen und überstieg die Inflationsrate im Juni.

Dementsprechend äußerten sich bei einer Umfrage des Morgenblattes Asahi Shimbun 57 Prozent der Befragten unzufrieden mit der Wirtschaftspolitik der Regierung. Mittlerweile schlägt Regierungschefin Sanae Takaichi eine zeitweilige Absenkung der Verbrauchssteuer auf Lebensmittel von acht auf ein Prozent vor.

Im Vergleich zu ihrem Amtsvorgänger Ishiba Shigeru ist Sanae Takaichi bei den Japanern allerdings immer noch recht beliebt. Shigeru erreichte gegen Ende seiner Amtszeit nur noch 20,8 Prozent Zustimmung. Auch die Ablehnungswerte sind bei Weitem nicht so drastisch wie bei der Vorgängerregierung. 

Ohnehin weist Takaichi Umfragewerte auf, um die sie ihr deutscher Amtskollege vermutlich beneidet. Denn laut einer Ipsos-Umfrage vom Juli 2026 bewerten nur noch 17 Prozent der Befragten die Arbeit der Regierung Merz positiv.

Rund 83 Prozent erteilen der Regierungskoalition von Union und SPD dagegen ein negatives Zeugnis. Die persönliche Beliebtheit von Kanzler Merz ging dabei noch weiter in den Keller: Der Bundeskanzler verlor zwei Prozentpunkte und liegt nun bei einem Zufriedenheitswert von 16 Prozent.  

Mehr zum Thema – Wahl von Sanae Takaichi: In Japan hat eine konservative Revolution stattgefunden

Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.