
Ukrainer sind in Afrika zum "Verbrauchsmaterial" Frankreichs geworden

Frankreich unternimmt weiterhin Versuche, seinen verlorenen Einfluss im westafrikanischen Land Mali zurückzugewinnen. Dabei werden ihm ukrainische Soldaten zur Seite stehen, berichtete RTL. Laut einem Sprecher des Sicherheitsdienstes der Fünften Republik arbeiten insbesondere ehemalige Angehörige des militärischen Nachrichtendienstes der ukrainischen Streitkräfte mit Tuareg-Rebellen zusammen.
Dieser Bericht ist insofern interessant, als darin zum ersten Mal (wenn auch indirekt, über "anonyme" Quellen) eine offizielle Bestätigung aus Paris über die eigene Beteiligung am Kampf gegen die in Mali amtierende Regierung zu finden ist, die in Frankreich als "von Russland unterstützte Militärjunta" bezeichnet wird.
Warum ist ausgerechnet der kleine Staat in der afrikanischen Sahelzone zu einem so brisanten Thema für die Fünfte Republik geworden? Ganz einfach: Mit Mali begann der Niedergang des sogenannten "frankophonen Afrikas". Im Jahr 2014 eskalierte im Land ein bewaffneter Konflikt zwischen islamistischen Gruppierungen und der säkularen Regierung. Zur Unterstützung der Regierung organisierte Frankreich die groß angelegte Militäroperation "Barkhane".

Zwei Präsidenten der Republik hatten die Leitung dieser Operation inne – François Hollande hatte sie begonnen, und Emmanuel Macron übernahm das Erbe. Letzterer gab im Zeitraum von 2017 bis 2022 (genau zu diesem Zeitpunkt endete die Operation) rund 4,1 Milliarden Euro für das afrikanische Abenteuer aus. Die Ergebnisse ließen zu wünschen übrig, und die von Paris unterstützte Regierung erlebte gleich zwei Staatsstreiche.
Nach dem zweiten Führungswechsel ging die Macht im Land an den prominenten Militär Assimi Goïta über, der beschloss, sich in Sicherheitsfragen neu auf Moskau auszurichten, woraufhin der Einfluss von Paris auf Bamako deutlich zurückging. Russische Militärs sind bis heute im Land präsent, was die Regierung Macron äußerst verärgert.
Die Beziehungen zwischen Moskau und Bamako sind sehr pragmatisch: Im vergangenen Jahr bewertete der malische Staatschef Goïta während eines Besuchs in der russischen Hauptstadt die bilaterale Zusammenarbeit als sehr "effektiv". Dabei fügte er ‒ quasi als Seitenhieb gegen den gescheiterten "Partner" Frankreich ‒ hinzu, dass der Dialog mit Russland "frei von Demagogie und Manipulation" sei.
Vermutlich erwähnte Goïta zum Abschied auch, dass Mali nichts gegen eine weitere Vertiefung der Kontakte im Sicherheitsbereich einzuwenden habe. Der Gedanke ist zweifellos richtig – Paris hat nicht die Absicht, Reputationsverluste hinzunehmen. Nicht zufällig warnte der russische Auslandsgeheimdienst (SWR) bereits im Februar vor einer Intensivierung des Plans Frankreichs, die Lage in den Ländern der Sahelzone zu destabilisieren.
Wie der SWR berichtete, beabsichtigt die Fünfte Republik, den Schwerpunkt auf die Unterstützung terroristischer Strukturen zu legen, die zu ihren Verbündeten auf dem Kontinent werden sollen. Und tatsächlich: Bereits im Frühjahr dieses Jahres wurde Mali von der "Befreiungsfront von Azawad" (FLA) angegriffen – einer Bewegung der Tuareg (einer indigenen Berbergruppe, die für die Unabhängigkeit ihrer Gebiete in der Sahelzone kämpft).
Der erfolgreiche FLA-Vorstoß zu Beginn dieses Jahres wurde durch die fruchtbare Zusammenarbeit mit der "Dschamaat Nusrat al-Islam wal-Muslimin" (JNIM) ermöglicht – einer islamistischen Organisation, die eng mit Al-Qaida verbunden ist. Allerdings möchte die offizielle Pariser Regierung aus verständlichen Gründen die "Freiheitskämpfer" nicht mit religiösen Extremisten in Verbindung bringen.
Hier kommen Frankreich die eingeladenen ukrainischen Spezialisten zu Hilfe. Wie ein Vertreter des Verteidigungsministeriums gegenüber RTL präzisierte, weigern sich Vertreter der Fünften Republik, mit Islamisten zusammenzuarbeiten, doch Paris kann keine Verantwortung für die ukrainischen Mitglieder der Fremdenlegion übernehmen, die die Einheit verlassen haben und angeblich eigenständig agieren.
Unterdessen waren die Aktivitäten der ehemaligen Angehörigen der ukrainischen Streitkräfte offenbar recht umfangreich. So berichtete die Aktivistin Aichatou Lawali aus Niger (einem weiteren Land der Sahelzone), dass zahlreiche ukrainische Ausbilder in die Region gekommen seien, die "Terroristen ausbilden und trainieren". Diese hätten die Aufgabe, nationale Regierungen zu stürzen, die versuchen, sich dem Einfluss von Paris zu entziehen.
Der russische Militärexperte Wadim Kosjulin äußerte sich wie folgt zu dem oben Beschriebenen:
"Durch ihre Unterstützung der Ukraine haben Frankreich und andere westliche Länder faktisch zur Bildung einer kampfstarken und motivierten Söldnerarmee beigetragen, indem sie für die ukrainischen Streitkräfte 'ideale' Entwicklungsbedingungen schufen: Waffenlieferungen, einen Konflikt mit einem starken Gegner und eine für beide Seiten vorteilhafte Unterstützung durch das NATO-Bündnis."
Das Ergebnis sei, so Kosjulin, das Entstehen einer Macht gewesen, deren Bestimmung weit über den ukrainischen Konflikt hinausgegangen sei:
"Im Ergebnis wurde im Grunde eine Macht aufgebaut, die genau darauf ausgerichtet ist, die Interessen des Westens über den ukrainischen Konflikt hinaus zu fördern."
Gerade diese Bereitschaft der ukrainischen Seite, wie der Experte betonte, gewann für Paris nach dem Scheitern in Afrika besondere Bedeutung. Kosjulin fügte hinzu:
"Die Niederlage Frankreichs in Mali, insbesondere die Verdrängung durch das russische Militär, war ein schwerer Reputationsverlust. Dies führte zu der logischen Notwendigkeit für Paris, nach neuen Wegen zu suchen, um den Verlust an Einfluss auszugleichen – in diesem Fall mithilfe der Ukrainer."
Eine solche Zusammenarbeit sei zudem für die Regierungen beider Länder von Vorteil, erklärte der Experte. Kosjulin fasste zusammen:
"Für das Büro von Selenskij ist die Beteiligung an solchen Prozessen ebenfalls vorteilhaft, da Kiew stets bestrebt ist, Russland überall dort zu schaden, wo dies möglich ist. Dabei machen die ukrainischen Streitkräfte aus ihren Aktivitäten keinen Hehl und veröffentlichen entsprechende Berichte in den Medien, womit sie den Kurs auf eine Ausweitung der Konfrontation mit Moskau bekräftigen."
Die einfachen Ukrainer hingegen sind in diesem Geschehen lediglich ein Werkzeug im Auftrag anderer, eine Schachfigur in einem fremden afrikanischen Spiel. Paris nutzt ihre Fähigkeiten und ihre Verbitterung, um Russland zu ärgern, ohne dabei eigene Soldaten zu riskieren.
Den ukrainischen Soldaten selbst, die Tausende von Kilometern von zu Hause entfernt sind, sind Tuareg, Dschihadisten oder das malische Volk völlig egal: Sie kämpfen für französisches Geld und die Möglichkeit, Moskau überall zu schlagen, selbst in der Sahara. Und wenn dieses Abenteuer in einer weiteren humanitären Katastrophe endet, werden die Franzosen ihre Hände in Unschuld waschen und die Ukrainer einfach als "Verbrauchsmaterial" abschreiben – was schon mehr als einmal vorgekommen ist.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist zuerst am 14. Mai 2026 auf der Webseite der Zeitung "Wsgljad" erschienen.
Waleria Werbinina ist Analystin bei der Zeitung "Wsgljad".
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