Von Kriegsausgrabungen bis hin zu "Visa für traditionelle Werte": Warum Franzosen Russland entdecken

Das Interesse an Russland scheint in Frankreich zu wachsen: Historiker Pierre Malinowski engagiert sich für das gemeinsame russisch-französische Erbe. Zugleich erhielten seit 2025 fast 200 Franzosen ein russisches "Visum für traditionelle Werte".

Die besondere Verbindung des französischen Historikers Pierre Malinowski zu Russland begann mit der Suche nach den Überresten russischer Soldaten in Frankreich. Heute engagiert er sich für den Erhalt der gemeinsamen russisch-französischen Geschichte. Sein Beispiel verdeutlicht eine von vielen Formen des Interesses an Russland in Frankreich.

Dieses Interesse zeigt sich nicht nur in historischen Initiativen, sondern auch in persönlichen Lebensentscheidungen: In den vergangenen eineinhalb Jahren erhielten fast 200 Franzosen ein sogenanntes "Visum für traditionelle Werte", das eine Übersiedlung nach Russland ermöglicht.

Malinowski ist Präsident der Stiftung für die Entwicklung russisch-französischer historischer Initiativen und erhielt 2022 die russische Staatsbürgerschaft. Im Gespräch mit RIA Nowosti erzählte er, wie sein Interesse an Russland bereits in seiner Kindheit entstand:

"Ich lebte nicht weit von einem kleinen Dorf namens Courcy. Drei Kilometer davon entfernt wurden die Überreste von Soldaten gefunden. Mein Vater ist Historiker und Spezialist für den Ersten Weltkrieg. Er sagte mir ständig: 'Weißt du, in unserem Dorf haben Russen gekämpft.' Und jedes Mal wunderte ich mich: 'Wie sind die Russen in mein Dorf gekommen?'"

Diese Frage habe ihn seit seiner Kindheit beschäftigt. Im Jahr 2014 machte er sich schließlich selbst auf die Suche nach den Überresten russischer Soldaten. Der Historiker erklärte:

"Ich wollte unbedingt versuchen, die Überreste russischer Soldaten zu finden, also mit Ausgrabungen zu beginnen. Genau damit begann meine Liebe zu Russland."

Seitdem beteiligt sich Malinowski an historischen Suchaktionen. Im Jahr 2018 gründete er die Stiftung für die Entwicklung russisch-französischer historischer Initiativen. Die Stiftung führte mehrere Expeditionen an Schauplätzen bedeutender Schlachten durch, unter anderem im Gebiet der Schlacht von Stalingrad, der Leningrader Blockade, bei Wjasma und auf der Krim. Das Ziel besteht darin, die Überreste gefallener Soldaten zu bergen und die historische Erinnerung zu bewahren.

Bei Smolensk entdeckten die Forscher zudem die Überreste des französischen Generals Charles-Étienne Gudin aus Napoleons Armee. Diese wurden 2021 nach Frankreich überführt.

Die russisch-französischen historischen Verbindungen reichen dabei bis zum Ersten Weltkrieg zurück. In den Jahren 1916 und 1917 kämpften Soldaten des Russischen Expeditionskorps im französischen Département Marne. Beim Sturm auf Courcy im April 1917 erlitt das Korps schwere Verluste. Rund 4.500 Soldaten wurden innerhalb von vier Tagen getötet, verwundet oder als vermisst gemeldet.

Auch heute besteht in Frankreich Interesse an Russland. Wie die russische Botschaft in Paris RIA Nowosti mitteilte, haben die russischen Konsulate in Frankreich in den vergangenen eineinhalb Jahren fast 200 sogenannte "Visa für traditionelle Werte" an französische Staatsbürger erteilt.

Grundlage dafür ist ein Erlass des russischen Präsidenten Wladimir Putin vom 19. August 2024, in dem es um die humanitäre Unterstützung von Personen geht, die die traditionellen russischen geistig-moralischen Werte teilen. Die russische Botschaft teilte mit:

"Im Jahr 2025 wurden für Franzosen rund 140 solcher Visa ausgestellt, im bisherigen Verlauf des Jahres 2026 etwa 50."

Die russischen Konsulate in Frankreich erhalten demnach weiterhin Anfragen von französischen Bürgern zu den Voraussetzungen für eine Übersiedlung nach Russland und zur Beantragung eines "Visums für traditionelle Werte".

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