Nur zwei Tage nach den Zwischenwahlen sind die Kurse in den USA an breiter Front eingebrochen. Der Dow Jones verzeichnete den stärksten Kursverlust am zweiten Handelstag nach einer Zwischenwahl seit Beginn der entsprechenden Datenreihe im Jahr 1896. Der S&P 500 verlor rund 4,4 Prozent, während der technologielastige Nasdaq um 5,5 Prozent einbrach. Besonders stark betroffen waren Halbleiteraktien, deren Branchenindex SOX um rund zwölf Prozent nachgab.
Anders gerechnet: Die im S&P 500 gelisteten Unternehmen verloren am Donnerstag zusammengenommen rund drei Billionen Dollar an Börsenwert – so viel wie noch nie an einem einzigen Handelstag. Bei den Unternehmen im Nasdaq-Index belief sich der Verlust auf rund 2,5 Billionen Dollar und erreichte damit ebenfalls einen historischen Höchststand.
Der Ausverkauf wurde unter anderem durch politische Unsicherheit nach dem Wahlsieg der Demokraten bei den Zwischenwahlen ausgelöst. Da die Demokraten nun beide Kammern des Kongresses kontrollieren, befürchten Anleger eine stärkere Regulierung der Technologie- und KI-Industrie. Im Mittelpunkt stehen dabei mögliche Einschränkungen beim Bau neuer Rechenzentren, strengere Umweltauflagen sowie der enorme Energieverbrauch der KI-Infrastruktur.
Hinzu kommen wachsende Zweifel an der Rentabilität des KI-Booms. Die großen Technologiekonzerne investieren Hunderte Milliarden Dollar in Chips, Server und Rechenzentren. An den Finanzmärkten wächst jedoch die Sorge, dass diese gewaltigen Investitionen nicht die erwarteten Gewinne abwerfen werden. Nach den erheblichen Kurssteigerungen der vergangenen Monate nutzten viele Anleger die politischen Nachrichten offenbar zudem, um Gewinne mitzunehmen.
Besonders stark gerieten Unternehmen aus der Halbleiter- und KI-Infrastrukturbranche unter Druck. Nvidia, Broadcom und andere Chipkonzerne verzeichneten massive Verluste. Auch Speicherhersteller und Unternehmen, die vom Ausbau der Rechenzentren profitieren, wurden von der Verkaufswelle erfasst.
US-Präsident Donald Trump machte den Wahlsieg der Demokraten für den jüngsten Kurssturz an den US-Börsen verantwortlich. "Der Aktienmarkt hat aufgrund der Wahlergebnisse einen der schlimmsten Tage seiner Geschichte erlebt", schrieb Trump am Donnerstag (Ortszeit) in den sozialen Medien. Zugleich versuchte er, die Anleger zu beruhigen: Sie sollten sich nicht sorgen. Die USA würden bald auf die eine oder andere Weise größer und stärker sein als je zuvor. Zuvor waren die US-Börsen deutlich unter Druck geraten.
Für die großen US-Aktienindizes war es der stärkste Tagesverlust seit der Ankündigung umfassender Importzölle durch US-Präsident Donald Trump im April 2025. Der Volatilitätsindex VIX, der auch als "Angstbarometer der Wall Street" bezeichnet wird, stieg unterdessen um rund 70 Prozent.
In nur 40 Minuten habe der S&P 500 zwei Billionen Dollar an Marktkapitalisierung vernichtet, schrieb Kobeissi Letter am Donnerstag auf der Kurznachrichtenplattform X. "Das ist einer der schnellsten Verluste an Marktkapitalisierung in der Börsengeschichte."
Die Nvidia-Aktie verlor mehr als neun Prozent und büßte damit sämtliche Kursgewinne seit Jahresbeginn ein. Der Börsenwert des Chipherstellers, der noch vor Kurzem das wertvollste börsennotierte Unternehmen der Welt war, sank um knapp 450 Milliarden Dollar. Gleichzeitig verlagerten Anleger ihr Kapital in vermeintlich sichere US-Staatsanleihen.
Die erhöhte Nachfrage ließ deren Kurse steigen und die Renditen entsprechend sinken. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen US-Staatsanleihe fiel am Donnerstag auf rund 4,82 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit zwei Monaten.
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