Von Igor Malzew
Deutschland: Vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht hat der Prozess gegen Sergej Kusnezow begonnen, den die Bundesanwaltschaft beschuldigt, im Jahr 2022 die Nord-Stream-Gaspipeline gesprengt zu haben.
Schon vom ersten Tag an nimmt der Strafprozess einen eindeutig politischen Charakter an. Dabei versucht die Staatsanwaltschaft, sich an die Fakten zu halten, während die Verteidiger – unter denen der äußerst antirussische Nicola Canestrini ist – mit voller Unterstützung und unter dem Jubel der lokalen Zeitungen alles auf die politische Ebene verlagern. Sie stellen weitreichende Verallgemeinerungen auf, um die terroristischen Handlungen des Angeklagten zu rechtfertigen, und geben gleichzeitig denjenigen, die dazu bereit sind, die nächsten Ziele vor – zum Beispiel Gazprom.
Was die Fakten angeht, hat die Staatsanwaltschaft interessante Details bekannt gegeben: Kusnezow besaß Tarnpapiere – einen gefälschten ukrainischen Pass auf den Namen Sergei Kulinitsch. Spätestens am 8. September 2022 traf er im Hafen von Wiek auf der Insel Rügen ein. Zusammen mit den übrigen Mitgliedern der Gruppe ging er an Bord der seetüchtigen Segelyacht "Andromeda", die zuvor von einem Mittelsmann für mehrere Wochen gemietet worden war. Neben Tauchausrüstung und Lebensmittelvorräten hatten sie eine große Menge hochwirksamer Sprengstoffe mitgebracht – Hexogen (RDX) und Octogen (HMX), die vorwiegend für militärische Zwecke verwendet werden. Laut Anklageschrift besitzen diese Stoffe "eine enorme Zerstörungskraft und können selbst in großen Tiefen explodieren".
Nach dem Aufenthalt im Hafen von Wiek machten sich Kusnezow und die übrigen Besatzungsmitglieder auf den Weg in die Gewässer der Ostsee, unweit der dänischen Insel Bornholm. Dort brachten die Taucher im Rahmen von sechs Tauchgängen sechs vorbereitete Sprengsätze an drei der vier Stränge der Gaspipeline an, die in einer Tiefe von etwa 70–80 m auf dem Meeresboden verlegt waren.
"Sergei K. hat mit Zustimmung und im Auftrag ukrainischer Behörden einen Plan zur Sprengung der Gaspipeline Nord Stream ausgearbeitet. Dabei waren sich die Mitglieder der Gruppe bewusst, dass Gaspipelines kein legitimes militärisches Ziel darstellen und sie nicht das Recht hatten, Kampfhandlungen dieser Art durchzuführen", verliest Staatsanwalt Schmidt die Anklageschrift. Dass es sich hierbei nicht um einen Ausflug von Amateur-Sprengern handelt, sondern um eine staatliche Aktion, zeigt auch die Tatsache, dass die Ukraine Kusnezow ausdrücklich untersagt hat, auszusagen.
Wie kommt das? Einfach so.
Die Springer-Presse verkündete sofort, dass der Staatsanwalt nichts erreichen und das Gericht Kusnezow freisprechen werde. Woher kommt diese Gewissheit?
Dafür bezeichnen sie das Eröffnungsstatement des Verteidigers als "brillant" – und das wirkt bereits wie direkter Druck auf das Gericht. Aber im heutigen demokratischen Deutschland ist sogar noch mehr möglich.
Die Brillanz des Anwalts lässt sich hier erkennen: "Der Angriff auf Nord Stream war kein Kriegsverbrechen"; "Die Pipeline selbst war eine Waffe"; "Gazprom – die Muttergesellschaft der Eigentümer von Nord Stream – hat militärische Einheiten gebildet, die an Kampfhandlungen an der Front beteiligt sind und auch an der Deportation ukrainischer Kinder mitwirken". "Das hat die Europäische Union selbst festgestellt", sagt Canestrini. Im Klartext: Die Nord-Stream-Pipeline ist nach Ansicht der Staatsanwaltschaft kritische deutsche Infrastruktur, nach Ansicht der Anwälte hingegen eine russische Waffe.
Und genau hier liegt eine klüftige Diskrepanz in den Begriffen. Darüber hinaus halten die Anwälte das Verfahren gegen Kusnezow selbst für "grundsätzlich unzulässig". Na dann, verleiht ihm doch das Eiserne Kreuz und schließt das Verfahren gleich ab.
In den Foren bemerken die Leser treffend:
"Alle vergessen ständig, wozu Nord Stream gebaut wurde: um dem ständigen Gasdiebstahl durch die Ukraine ein Ende zu setzen."
Tatsächlich, was für ein kurzes Gedächtnis die europäische Presse doch hat.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel wurde für den Telegram-Kanal "Exklusiv für RT" verfasst.
Igor Malzew ist russischer Schriftsteller, Publizist, Journalist und Autor eines Telegram-Kanals. Seit dem 21. April 2026 wird der regelmäßige RT-Gastautor auf EU-Sanktionslisten geführt – ausschließlich für seine Meinung und seine publizistische Arbeit.
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