25 Jahre nach 9/11: Teil VII – Kommt die offizielle Version endlich vor ein ordentliches Gericht?

Die Entscheidung zur letzten Chance auf Aufklärung von 9/11 trifft Mitte Oktober der britische Supreme Court. Ein Okay würde ein ordentliches Gerichtsverfahren zur Untersuchung des 9/11-Opfers Jeffrey Campbell ermöglichen, auch mit Aussagen von Zeugen und Sachverständigen zu 9/11 unter Eid.

Von Rainer Rupp

Fortsetzung von Teil I; Teil II; Teil III; Teil IV; Teil V und Teil VI

Nach 25 Jahren gibt es tatsächlich neue Hoffnung auf eine ordentliche Untersuchung von 9/11 vor einem britischen Gericht. Dafür hat Matt Campbell, der Bruder des 9/11-Opfers Jeffrey Campbell, 25 Jahre gekämpft. Unterstützung bekam er dabei nicht nur von seiner Familie, sondern von vielen Menschen aus vielen Ländern, vor allem aber von Roger Waters. Geboren 1943, ist der Mitbegründer (1965) der legendären britischen Rockgruppe Pink Floyd als Gitarrist, Sänger, Komponist und Musikproduzent zu weltweiter Berühmtheit gekommen. Zugleich ist die Rocklegende einer der engagiertesten Verfechter von Frieden und Gerechtigkeit; das gilt sowohl für die Opfer des israelischen Genozids im Gazastreifen als auch für die von 9/11, das er nicht vergessen kann.

Am 17. Juli dieses Jahres veröffentlichte der bekannte US-Moderator Tucker Carlson auf YouTube für sein millionenfaches Publikum mit Blick auf den bevorstehenden 25. Jahrestag von 9/11 ein Interview mit Roger Waters. Bei dieser Gelegenheit erfuhren die Zuschauer, dass nach 25 Jahren offizieller Vertuschung und Irreführung nun doch noch die Chance besteht, der offiziell von den USA verbreiten 9/11-Verschwörungstheorie auf den Grund zu gehen. Das könnte schon bald im Rahmen eines regulären "Inquests"i in Großbritannien nach geltenden britischen Rechtsvorschriften im Rahmen eines Inquests (siehe Teil V) geschehen; und zwar nach dem Vorbild der akribischen Aufklärungsarbeit des Terroranschlags auf die Boeing von Pan Am mit Flugnummer 103, die am 21. Dezember 1988 über Lockerbie in Schottland von einer Zeitbombe in großer Höhe zerrissen worden war.

Erinnerungen an bedrückende Atmosphäre

Im Interview sprach Waters über seine Erinnerungen an den 11. September 2001 und seine Zweifel an der offiziellen Aufarbeitung, die er von Anfang an hatte. Zugleich habe ihn damals die Frage beschäftigt, ob ein Angriff aus dem Ausland die USA dazu bringen könnte, über die Folgen der Außenpolitik ihrer Regierung nachzudenken. Ähnliche Fragen wurden damals in Deutschland laut, die unter dem Stichwort "So was kommt von so was" kursierten. Dies hatte eine von Politik und Medien gesteuerte Verurteilung zur Folge, die mit derart heftiger Bösartigkeit vorgetragen wurde, dass niemand mehr wagte, 9/11 öffentlich zu hinterfragen, wenn er seinen Job behalten wollte. Denn ab dem Zeitpunkt waren wir im kollektiven Westen alle US-Amerikaner.

Die Atmosphäre sei so bedrückend gewesen, so Waters im Interview, dass Zweifler als verrückt abgestempelt worden seien und riskiert hätten, ihre öffentliche Stimme zu verlieren. Stattdessen seien immer wieder dieselben Fernsehbilder wiederholt worden, mit der bereits unmittelbar nach dem Anschlag festgelegten Erklärung: Osama bin Laden und arabische Terroristen hätten die Anschläge organisiert, womit anschließend der "US-Krieg gegen den Terror" zur Zerstörung von fünf Ländern im Mittleren Osten rechtfertigt wurde. Heute halte er sein Schweigen für einen Fehler.

Im weiteren Verlauf vertrat Waters die Auffassung, dass der Einsturz der WTC-Türme eine kontrollierte Sprengung gewesen war. Ob er eine eigene Theorie über die Täter habe, wollte Carlson wissen. Dazu erklärte Waters, die Hinweise zeigten für ihn, dass Teile der US-Sicherheitsdienste von einem Anschlagsplan gewusst hätten. Auch israelische Stellen hätten darüber Bescheid gewusst. Bezüglich der tatsächlichen Täterschaft wollte sich Waters jedoch nicht festlegen. Entscheidend für Waters ist, dass diese Fragen nie vor einem ordentlichen Gericht behandelt worden sind, bei dem Beweise und Zeugen öffentlich geprüft werden.

Letzte Hoffnung auf Aufklärung

Tatsächlich hat es in den 25 Jahren keine einzige legitime strafrechtliche Untersuchung zu 9/11, dem tödlichsten Terroranschlag in der US-Geschichte, gegeben. Das – so gesteht Carlson – war auch für ihn neu. Waters versucht mit Öffentlichkeitsarbeit und Geldspenden, das zu ändern und die unbeantworteten Fragen zu 9/11 ans Licht zu zerren. Zentral dabei ist Waters' Engagement für seinen schottischen Freund Matt Campbell. Dessen Bruder Jeffrey war am 11. September 2001 im Nordturm des World Trade Centers auf der 106. Etage während einer Konferenz getötet worden.

Campbell führt seit über zwei Jahrzehnten in Großbritannien einen juristischen Kampf um eine neue, formelle Untersuchung ("Inquest") zum Tod seines Bruders Jeffrey. Die einzige gerichtliche Untersuchung zu dessen Tod fand im Jahr 2013 in Großbritannien statt, zwölf Jahre nach seinem Tod. Laut Campell war die "Inquest" extrem oberflächlich. Sie dauerte etwa 90 Minuten, Zeugen zum fragwürdigen Hintergrund des Geschehens waren nicht zugelassen. Der Schluss der Inquest: Der Tod sei durch den Einsturz nach dem Flugzeugaufprall verursacht worden, der auf einen Al-Qaida-Terroranschlag zurückzuführen ist. Eine tiefgehende Prüfung der strukturellen Ursachen blieb aus.

Campbell beantragte 2021 unter dem "Coroners Act" von 1988 eine Wiederaufnahme des Inquests und legte umfangreiches neues Beweismaterial vor, darunter Expertenanalysen, die eine kontrollierte Sprengung nahelegen. Der Generalstaatsanwalt lehnte ab – kein öffentliches Interesse. Der High Court (eines der obersten Gerichte) bestätigte 2024 weitgehend die Immunität dieser Entscheidung des Generalstaatsanwaltes, erlaubte dann aber doch dem Kläger Campbell einen direkten Weg zur nächsthöheren Instanz, zum Supreme Court (Obersten Gerichtshof).

Im November 2025 gewährte der britische Supreme Court die Berufung. Die Anhörung soll am 14. und 15. Oktober 2026 statt. Es geht dabei erst einmal nur um die Frage, ob die Entscheidung des Attorney General (Generalstaatsanwalts) gerichtlich überprüfbar ist. Ein Erfolg würde den Weg zu einer neuen (Lockerbie ähnlichen) "Inquest" freimachen. Das wäre weltweit das erste Mal, dass kritische Expertenaussagen zu 9/11 unter Eid gehört werden könnten. Die Chancen dafür hängen von der verfassungsrechtlichen Klärung des Supreme Court am 14. und 15. Oktober ab.

Zur Erinnerung: Ein "Inquest" ist eine öffentliche richterliche Untersuchung eines ungeklärten, gewaltsamen oder ungewöhnlichen Todesfalls. Dabei wird ermittelt, wer gestorben ist und wann, wo und auf welche Weise der Tod eintrat. Die Aussagen der Zeugen und Sachverständigen finden unter Eid statt, und sie werden in professionell geführten Kreuzverhören von beiden Seiten, von Kläger und Verteidiger, in öffentlicher Sitzung geprüft. All das fehlte bei allen Untersuchungen in den USA, auch bei der Hauptuntersuchung der "9/11-Kommission". Diese wurde mit viel Augenwischer-Aufwand und noch mehr Medienrummel betrieben wurde, ohne neue Erkenntnisse über die angeblichen Täter zu liefern, weshalb sie von Kritikern auch als "Hollywood-Show" bezeichnet wurde.

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