Von Pepe Escobar
Ein bedeutsamer Auftritt
Irans Außenminister Abbas Araghtschi begab sich auf eine diplomatische Reise mit hohem Einsatz nach Islamabad, Maskat und St. Petersburg. Er reiste an Bord des Fluges "Minab 168" der Meraj Airlines. Natürlich in Gedenken an die 168 Schülerinnen aus Minab, die vom Imperium des Chaos, der Lügen, der Plünderung und der Piraterie getötet wurden.
Bevor er seine Reise antrat, kam Araghtschi direkt zum Punkt:
"Es ist schon einige Zeit her, seit Treffen mit Russland stattgefunden haben. Wir nutzen die aktuelle Gelegenheit, um mit unseren russischen Freunden Konsultationen über Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Krieg zu führen. Diese Koordinierung wird wichtig sein."
Araghtschi erklärte die Bedeutung der Überprüfung der Verhandlungen in Pakistan und "unter welchen Bedingungen die Verhandlungen fortgesetzt werden könnten."
Die Gespräche in Oman "werden zu einer stärkeren Ausweitung der Beziehungen zu den Nachbarn führen, insbesondere in den südlichen Regionen des Persischen Golfs." Bezüglich der Straße von Hormus "waren auch Konsultationen mit Oman notwendig … Wir teilen viele gemeinsame Sichtweisen mit Oman, und wir haben vereinbart, dass die Gespräche auf Expertenebene fortgesetzt werden."
Araghtschi traf in St. Petersburg nicht nur seinen Amtskollegen, Großmeister Sergei Lawrow, wie es das Protokoll vorsieht. Er und seine kleine Delegation wurden auch persönlich von Präsident Putin empfangen.
Mit einer äußerst eloquenten, messerscharfen Ansprache fasste Putin das gesamte "neue Spiel" zusammen, das durch den Krieg gegen Iran entstanden ist.
Drei absolut zentrale Punkte lauteten:
1. Respekt für den Obersten Führer Ajatollah Modschtaba Chamenei:
"Ich möchte zu Beginn des Gesprächs darauf hinweisen, dass ich letzte Woche eine Botschaft vom Obersten Führer Irans erhalten habe. Ich möchte Sie bitten, ihm dafür meine aufrichtigsten Worte der Dankbarkeit zu übermitteln und zu bekräftigen, dass Russland ebenso wie Iran beabsichtigt, unsere strategischen Beziehungen fortzusetzen. Bitte übermitteln Sie dem Obersten Führer Worte der Dankbarkeit für diese Botschaft und die besten Wünsche für Gesundheit und Wohlergehen."
2. Der Kampf Irans dreht sich um Unabhängigkeit und Souveränität:
"Wir sehen, wie mutig und heldenhaft das iranische Volk für seine Unabhängigkeit und Souveränität kämpft. Natürlich hoffen wir sehr, dass das iranische Volk, gestützt auf diesen Mut und dieses Streben nach Unabhängigkeit, unter der Führung seines neuen Oberhaupts diese schwierige Zeit der Prüfungen überwinden und den Frieden siegen sehen wird."
3. Russland ist dabei:
"Wir werden unsererseits alles tun, was Ihren Interessen und den Interessen aller Völker der Region dient, um sicherzustellen, dass dieser Frieden so bald wie möglich erreicht wird. Sie kennen unsere Position gut."
Araghtschi seinerseits bestätigte, dass Iran und Russland eine "strategische Partnerschaft auf höchster Ebene" eingegangen sind. Zudem "ist allen bewiesen worden, dass Iran Freunde und Verbündete wie die Russische Föderation hat, die Iran in schwierigen Zeiten zur Seite stehen. Wir sind Ihnen dankbar für Ihre starke und feste Positionen zur Unterstützung der Islamischen Republik Iran."
Zu sagen, dass das Imperium der Piraterie eine Menge zu überdenken haben wird, ist natürlich die Untertreibung des Jahrhunderts.
Das Blatt hat sich gewendet
Araghtschis große Tour hat das Blatt in mehrfacher Hinsicht gewendet.
Zunächst übermittelte Iran den pakistanischen Vermittlern eine Reihe scharfer Botschaften, die theoretisch die Amerikaner erreichen sollten.
Die Kernpunkte:
Betonung der zehn Punkte und uneingeschränktes Bekenntnis zu ihnen allen.
Iran ist nur zu rationalen und fairen Verhandlungen bereit.
Die USA haben kein Recht, rote Linien zu ziehen.
Iran wird sich den Exzessen der USA nicht beugen (und dazu gehört auch: keine Seeblockade).
Pakistan muss absolut neutral bleiben.
Doch das war erst der Anfang. Teheran übergab den pakistanischen Vermittlern anschließend einen Drei-Stufen-Plan für alles, was von nun an geschieht.
- Die erste Verhandlungsphase muss sich darauf konzentrieren, den Krieg – ein für alle Mal – zu beenden und ernsthafte Garantien zu erreichen, die vom UN-Sicherheitsrat gebilligt werden.
- Die zweite Phase sollte den Umgang mit der Straße von Hormus nach Kriegsende regeln.
- Erst in der dritten Phase sollte die iranische Nuklearfrage behandelt werden.
Das bedeutet, dass Teheran jetzt überhaupt nicht mehr über sein Atomprogramm verhandeln wird. Was zählt, ist die Beendigung des Krieges, die Befreiung von den Sanktionen, die Modalitäten einer Entschädigung und die Aufhebung der Seeblockade durch die USA.
Die Frage des Atomprogramms "könnte später in einem separaten Abkommen behandelt werden" – und nur, nachdem der Krieg beendet ist (Hervorhebung durch die Redaktion).
Man beachte den frontalen Zusammenstoß mit dem "Imperium der Piraterie" – während Trump darauf besteht, dass die Atomfrage "der einzige Punkt ist, der wirklich zählte."
Iran hat diesen Punkt nun vom Schachbrett genommen.
Trump seinerseits ist unnachgiebig: kein Kriegsende ohne Atomabkommen. Teheran wiederum lehnt nun jegliche Atomdiskussion ab, bis der Krieg beendet ist.
Und wer könnte diese Kluft möglicherweise überbrücken?
Russland kommt ins Spiel
Das muss sicherlich in St. Petersburg im Rahmen der "strategischen Partnerschaft auf höchster Ebene" besprochen worden sein. Ob Trump gewillt sein wird, Putin zuzuhören, ist eine ganz andere Frage.
Das bisherige Verhandlungsmodell ist tot
Nun noch einmal dazu, wer wirklich die Fäden in der Hand hält. Teheran hat einen entscheidenden Schritt getan. Genug davon, der verworrenen Agenda des Imperiums der Piraterie zu folgen. Das bisherige Verhandlungsmodell ist tot.
Was jetzt zählt, ist höchst strategisch – und die Nutzung der de facto strategischen Niederlage, die Iran den USA zugefügt hat.
Also keine strategischen Zugeständnisse mehr ad infinitum, bestimmt durch den sprichwörtlichen imperialen "maximalen Druck". Keine Ersatzverhandlungen mehr unter Belagerung.
Das ist das persische Verdikt über die amerikanische Art der "Diplomatie" – die nichts weiter ist als ein Werkzeug, das im Feuer der unverhohlenen Nötigung und aller Arten von Druck aufgelöst wurde. Jetzt ist es das Schlachtfeld, das die Bedingungen diktieren wird – ebenso wie neue geoökonomische Realitäten.
Kein Wunder, dass das Team Trump 2.0 außer sich vor Wut ist. Vor allem, weil Moskau jetzt ein Spieler an der Front ist, der sich einbringt. Die Architektur von Araghtschis Reisen war ein Coup.
Von nun an ist klar, dass ohne russischen Einfluss keine Einigung möglich – und realistisch – sein wird.
Die Barbaren unterschätzen die Perser auf eigene Gefahr. Was wir jetzt beobachten, ist Diplomatie, die in einer neuen Lego-Umgebung neu angeordnet wird (Wortspiel beabsichtigt). Das Imperium der Piraterie, wie destruktiv seine Absichten auch sein mögen, ist nun gezwungen, sich mit dem mächtigen Iran auseinanderzusetzen, der aus diesem Krieg hervorgeht.
Der frühere existiert nicht mehr.
Aus dem Englischen übersetzt von Olga Espín
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