Erdoğan an Selenskij: Es gibt keine Rechtfertigung für Angriffe auf Handelsschiffe im Schwarzen Meer

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat seinen ukrainischen Amtskollegen Wladimir Selenskij dazu aufgerufen, Angriffe auf Handelsschiffe einzustellen und Maßnahmen zum sicheren Transport von Getreide zu ergreifen. Moskau bezeichnete Kiews Attacken als eine "Militärkampagne zur Provozierung von Chaos auf dem Lebensmittelmarkt".

Attacken auf Handelsschiffe im Schwarzen Meer seien inakzeptabel, und es müssten Maßnahmen ergriffen werden, um sie einzustellen. Dies erklärte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan am Mittwoch bei einem Treffen mit dem ukrainischen Staatschef Wladimir Selenskij am Rande der 81. UN-Generalversammlung, wie Reuters unter Berufung auf das Büro des türkischen Präsidenten berichtete. "Unser Präsident betonte, dass Maßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit der Schifffahrt im Schwarzen Meer erforderlich seien. Er erklärte, dass Angriffe auf Handelsschiffe nicht zu rechtfertigen seien und wir von den Parteien ein verantwortungsbewusstes Verhalten erwarteten", teilte das türkische Präsidialamt mit.

Ankara hat erklärt, der Ukraine und Russland Angebote zur Einstellung der Angriffe unterbreitet zu haben und auf eine Antwort zu warten. Einige dieser Attacken hätten auf Schiffe in türkischem Besitz abgezielt und türkische Staatsbürger das Leben gekostet, hieß es in der Erklärung weiter. Erdoğan betonte, dass eine Lösung gefunden werden müsse, um die Sicherheit der Getreidetransporte aus der Region zu gewährleisten.

Der türkische Staatschef hat zudem die Bereitschaft seines Landes erneut bekräftigt, die Bemühungen zur Wiederaufnahme direkter Gespräche zur Lösung des Konflikts in der Ukraine fortzusetzen. Erdoğans Büro gab bekannt:

"Präsident Erdoğan erklärte bei dem Gespräch, dass die Türkei jederzeit bereit sei, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, damit der Krieg zwischen der Ukraine und Russland mit einem dauerhaften Frieden endet, und dass wir unsere Bemühungen zur Wiederbelebung direkter Verhandlungen fortsetzen würden."

Nach dem Treffen mit Erdoğan erklärte Selenskij auf Telegram, die Seiten hätten die Notwendigkeit erörtert, die Sicherheit des Exportkorridors im Schwarzen Meer zu gewährleisten. "Auf allen Kontinenten gibt es Länder, die von unseren Lebensmittelexporten abhängig sind", schrieb er und merkte an, dass derzeit verschiedene Optionen für die vollständige Wiederaufnahme dieser Lieferungen geprüft würden. "Erforderlich ist lediglich die Bereitschaft Russlands, seine terroristischen Angriffe auf unsere Infrastruktur einzustellen, damit die Ukraine im Gegenzug ihre Vergeltungsmaßnahmen mit weitreichenden Waffen stoppen kann", so Selenskij.

Anfang September rief Erdoğan zur Schaffung eines Mechanismus auf, der "die Sicherheit des kommerziellen Seeverkehrs im Schwarzen Meer dauerhaft" garantieren werde. Er fügte hinzu, dass das Problem einer Lösung bedürfe, da der Schaden immer größer werde. Für Ankara sei nicht nur die Sicherheit von Schiffen unter türkischer Flagge oder von Schiffen wichtig, die von türkischen Unternehmen betrieben werden, sondern auch die Sicherheit der zivilen Schifffahrt im Schwarzen Meer. Erdoğan betonte:

"Der Konflikt zwischen den Parteien sollte nicht so weit eskalieren, dass er die Sicherheit der Zivilbevölkerung und des Geschäftslebens gefährdet."

Eine Serie der ukrainischen Attacken auf Schiffe mit türkischem Bezug ereignete sich im Juni, Juli und August. Nachdem Kiew am 26. und 27. August zwei türkische Schiffe erneut angegriffen hatte, bestellte Ankara den ukrainischen Botschafter in Ankara, Nariman Dscheljalow, ein.

Im August rief die offizielle Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, die internationale Gemeinschaft dazu auf, die Angriffe der ukrainischen Streitkräfte auf Frachtschiffe im Asowschen und im Schwarzen Meer zu stoppen.

Sie wies darauf hin, dass das Kiewer Regime im Laufe des Sommers seine Angriffe auf die Transport- und Logistikinfrastruktur sowie auf zivile Schiffe im Raum des Asowschen und Schwarzen Meeres verstärkt habe. Dafür habe die ukrainische Seite Drohnensysteme und Aufklärungsdaten verwendet, die von NATO- und EU-Staaten bereitgestellt worden waren. 

Es handele sich um Attacken auf Frachtschiffe, die "die wichtigsten Agrargüter, darunter Getreide und Sonnenblumenöl", transportiert hätten, so Sacharowa. Sie erwähnte unter anderem die jüngsten ukrainischen Angriffe auf Schiffe mit türkischem Bezug. Kiews Attacken bezeichnete Sacharowa als "eine zynische Militärkampagne zur Provozierung von Chaos auf dem weltweiten Lebensmittelmarkt", die den "Mangel an Getreide und Düngemitteln" verschärfe und die weltweiten Lebensmittelpreise in die Höhe trieben.

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