Fed vor Zinserhöhung – Trump drängt auf niedrigere Zinsen: Kommt heute der Zinsschock?

Eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte gilt an den Märkten als nahezu sicher. Zugleich fordert Trump niedrigere Zinsen. Fed-Chef Kevin Warsh muss damit zwischen Inflationsbekämpfung und politischem Druck abwägen.

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) wird die Zinsen am Mittwoch voraussichtlich anheben. An den Märkten wird die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung inzwischen auf mehr als 90 Prozent geschätzt. Das berichtet die britische Wochenzeitung The Economist am Mittwoch. Ausschlaggebend waren unter anderem die in der vergangenen Woche veröffentlichten Verbraucherpreisdaten für August, die anhaltenden Inflationsdruck zeigten.

Auch der von der Fed bevorzugte Inflationsindikator, der Preisindex für persönliche Konsumausgaben (PCE), weist auf einen erhöhten Preisdruck hin. Die Kernrate des PCE, bei der volatile Lebensmittel- und Energiepreise herausgerechnet werden, stieg in diesem Jahr bis Juli um 3,3 Prozent. Zugleich übertraf das Beschäftigungswachstum im August die Erwartungen, während der Arbeitsmarkt robust bleibt. Dies spricht ebenfalls für eine straffere Geldpolitik.

Die Anleger werden zudem die neuen Prognosen der Fed auf Hinweise zu weiteren Zinserhöhungen im weiteren Jahresverlauf prüfen. Die Notenbanker könnten jedoch darauf verzichten, weitere Zinsschritte anzudeuten, wenn sie die jüngste Inflation vor allem auf hohe Ölpreise und Zölle zurückführen.

Fed-Chef Kevin Warsh dürfte sich mit konkreten Hinweisen zurückhalten. Bereits eine Zinserhöhung würde ihn in Konflikt mit Donald Trump bringen, der wiederholt niedrigere Zinsen gefordert hat. Da die Märkte jedoch mit einem Zinsschritt rechnen, könnte ein unveränderter Leitzins das Vertrauen in die Fed belasten und die Turbulenzen am Anleihemarkt weiter verschärfen, kommentiert The Economist.

Die Fed sollte sich daher Trump widersetzen und erstmals seit mehr als drei Jahren die Zinsen anheben. Dafür plädieren führende Ökonomen, die damit auch die Haltung von Fed-Chef Warsh unterstützen, wonach die US-Notenbank ihren Fokus auf die Eindämmung der Inflation legen müsse.

Eine Umfrage unter führenden akademischen Ökonomen der University of Chicago Booth School of Business im Auftrag der Financial Times analysiert die Gründe für eine mögliche Zinserhöhung. Von 51 Befragten sprachen sich 50 dafür aus, die Zinsen über die derzeitige Zielspanne von 3,5 bis 3,75 Prozent anzuheben.

Die meisten Ökonomen befürworteten eine Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte. 14 Prozent plädierten jedoch für einen größeren Zinsschritt um 0,5 Prozentpunkte. Sie befürchten, dass der durch Trumps Krieg gegen Iran ausgelöste Anstieg der Treibstoffpreise eine breitere Inflationskrise auslösen könnte. "Die Fed liegt bei den Zinserhöhungen deutlich hinter der Entwicklung zurück. Die Inflation liegt seit Jahren deutlich über dem Ziel", sagte Olivier Coibion, Professor an der University of Texas in Austin.

Die US-Notenbank hatte die Zinsen im vergangenen Jahr dreimal gesenkt, nachdem die Inflation nach ihrem Höchststand auf dem höchsten Niveau seit mehreren Jahrzehnten im Zuge der Covid-19-Pandemie deutlich zurückgegangen war. Seitdem haben jedoch der Iran-Krieg, Trumps Zölle und der Boom bei Künstlicher Intelligenz die Fortschritte bei der Inflationsbekämpfung gebremst.

Warsh, der Anfang des Jahres von Trump zum Fed-Chef ernannt wurde, ebnete Ende August den Weg für eine mögliche Zinserhöhung. In einer Rede sagte er, die Zentralbank werde "handeln müssen", sollte die Inflation nicht rasch Anzeichen einer Abschwächung auf ein mit ihrem Zielwert vereinbares Niveau zeigen.

Die Wirtschaftswissenschaftlerin und Professorin an der Brown University, Dr. Sebnem Kalemli-Ozcan, bezeichnete die Entscheidung am Mittwoch dennoch als völlig offen. "Warsh könnte weiterhin argumentieren, dass angesichts der zahlreichen Unsicherheiten zunächst die weitere Datenentwicklung abgewartet werden sollte. Daher ist auch möglich, dass die Fed auf eine Zinserhöhung verzichtet und der Streit innerhalb der Notenbank weitergeht."

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