Vor dem US-Repräsentantenhaus erklärte Microsoft-Mitbegründer Bill Gates, dass der verstorbene Finanzier und Sexualstraftäter Jeffrey Epstein möglicherweise versucht habe, Informationen über sein Privatleben als Druckmittel gegen ihn zu nutzen. Einen direkten Erpressungsversuch habe es jedoch nie gegeben.
Diese Aussage machte Gates am 10. Juni hinter verschlossenen Türen vor dem Ausschuss für Aufsicht und Regierungsreform. Die Anhörung fand im Rahmen einer Untersuchung zu den Aktivitäten Epsteins und dessen Kontakten zu einflussreichen Persönlichkeiten statt. Eine Abschrift der Aussage wurde am Dienstag veröffentlicht.
Laut der Abschrift sprach Gates von "verdeckten" Drohungen. Epstein habe demnach erwogen, Informationen über Gates’ außereheliche Beziehungen zu nutzen, um Einfluss auf ihn auszuüben und ihn in seinem Umfeld zu halten.
"Ich habe Jeffrey Epstein niemals etwas bezahlt. Und obwohl es nur eine Vermutung ist, deuten verschiedene Fakten darauf hin, dass er andere dazu bewegen wollte, ihm dabei zu helfen, Druckmittel gegen mich zu bekommen. Dazu kam es jedoch nie. Er hat mich nie direkt erpresst. Aber wenn man diese E-Mails betrachtet, scheint es, dass die Überlegungen von Herrn Epstein in diese Richtung gingen. "
Gates bezog sich dabei auf Unterlagen im Zusammenhang mit dem Fall Epstein, die vom US-Justizministerium veröffentlicht wurden. Darin werden unter anderem Vorwürfe zu Gates’ außerehelichen Beziehungen, angeblichen Drogenanfragen, einer mutmaßlichen sexuell übertragbaren Infektion sowie "Sex mit russischen Mädchen" aufgeführt.
Gates erklärte, er habe trotz Kenntnis von Epsteins Verurteilung wegen Sexualdelikten im Jahr 2011 Kontakt zu ihm aufgenommen. Ziel sei gewesen, über Epstein Zugang zu wohlhabenden Spendern für globale Gesundheitsprojekte zu erhalten. Die Zusammenarbeit habe er jedoch im Jahr 2014 beendet, nachdem Epstein keine entsprechenden Kontakte vermittelt habe.
Laut Gates versuchte Epstein anschließend, ihn erneut an sich zu binden. Der Microsoft-Mitbegründer bestätigte, Beziehungen zu zwei erwachsenen russischen Frauen gehabt zu haben, betonte jedoch, dass diese keinerlei Verbindung zu Epsteins kriminellem Netzwerk gehabt hätten.
Die Vorwürfe, er habe eine sexuell übertragbare Krankheit und Drogen konsumiert, wies Gates entschieden zurück. Er betonte zudem, dass Epstein ihm nie Frauen für sexuelle Zwecke vorgestellt, Massagen organisiert oder ihn in kriminelle Aktivitäten verwickelt habe. Auch habe er Epsteins Insel, Ranch oder Haus in Florida niemals besucht.
Die Kontakte zwischen Gates und Epstein hatten bereits zuvor Fragen aufgeworfen. Epstein verfügte über keine öffentlich bekannte Expertise im Bereich der Gesundheitsforschung. Dennoch war er an Gesprächen über globale Gesundheitsprojekte, Gesundheitssysteme und eine geplante Pandemie-Simulation beteiligt – und das Jahre vor dem Ausbruch von COVID-19.
Laut Gates dienten die Treffen ausschließlich dem Versuch, Spenden für die Gates-Stiftung zu gewinnen. Zu tatsächlichen Beiträgen sei es jedoch nicht gekommen. Gates entschuldigte sich mehrfach für seine Verbindung zu Epstein und erklärte, er hätte sich niemals mit ihm treffen dürfen.
Der Skandal um die Epstein-Akten wirft erneut die Frage auf, wie es dem verurteilten Sexualstraftäter gelang, auch nach seiner Verurteilung im Jahr 2008 weiterhin Zugang zu Milliardären, Politikern, Bankern und anderen einflussreichen Persönlichkeiten zu haben. Zu den Personen, die bereits im Rahmen der Untersuchung ausgesagt haben, gehören der ehemalige US-Präsident Bill Clinton, die ehemalige US-Außenministerin Hillary Clinton, Epsteins Vertraute Ghislaine Maxwell und der Milliardär Les Wexner.
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