Unfall mit Salpetersäure: Krefelder Stadtteile im Lockdown

Ein Lkw-Unfall brachte das öffentliche Leben in drei Krefelder Stadtteilen zum Erliegen. Denn in der Nacht auf Freitag ist dort ein Fahrzeug mit einer riskanten Fracht umgekippt: Der Gefahrguttransporter hatte Salpetersäure an Bord. Die Behörden haben einen Sperrradius um die Unfallstelle errichtet.

Am frühen Morgen um 3 Uhr kam es in Krefeld zu einem folgenschweren Unfall. Ein Gefahrguttransporter mit einer Ladung stark ätzender Salpetersäure kippte aus noch ungeklärten Gründen an der Berliner Straße nahe der Auffahrt zur A57 Krefeld-Zentrum um. Über den Unfall berichteten die Deutsche Presse-Agentur und der öffentlich-rechtliche Sender WDR.

Den Meldungen zufolge hatte der Lastkraftwagen 23 Tonnen Salpetersäure an Bord. Davon sind zehn Tonnen ausgelaufen. Der Fahrer des Unglücks-Lkw ist leicht verletzt und wird im Krankenhaus behandelt. Die herbeigerufene Feuerwehr ist derweil damit beschäftigt, die restliche Salpetersäure aus dem verunfallten Fahrzeug abzupumpen. Das geht nur in speziellen Schutzanzügen.

Bei Salpetersäure handelt es sich um eine stark ätzende Flüssigkeit. Gelangt sie an Haut oder Gewebe, verursacht diese Säure schwere Verätzungen und Wunden, die nur sehr schwer heilen. Verätzungen der Augen können zur Erblindung führen, ein Verschlucken hat im Extremfall so schwere Verätzungen zur Folge, dass es zu einem Magendurchbruch kommt.

Aber auch die bloße Freisetzung von Salpetersäure ohne direkten Körperkontakt ist gefährlich. Wie die Rheinische Post schildert, verbindet sich die Säure bei einem Auslaufen sofort mit den Stoffen der Umgebung. Es entstehen giftige Gase, die äußerlich als gelbbraune oder rötliche Wolke erkennbar sind und über dem Boden hängen.

Das Ausmaß der Ausbreitung hängt von der Windrichtung ab. Auch in größerer Entfernung kann die freigesetzte Salpetersäure bei der Einatmung noch die Lungen schädigen. Atemnot, Asthma und Kehlkopfschwellungen sind die Folge, manchmal eine Lungenentzündung oder ein Lungenödem.

Vorsicht ist deshalb geboten. Die Krefelder Behörden haben rund um die Unfallstelle einen Sperr- und Sicherheitsradius von rund einem Kilometer ausgerufen. In diesem Umkreis sind die Bewohner dazu angehalten, sich nur in geschlossenen Räumen aufzuhalten.

Fenster und Türen müssen geschlossen, Klima- und Lüftungsanlagen abgeschaltet werden, so die Aufforderung der Stadt Krefeld, die auch über Warn-Apps erfolgte. Man könne eine Gesundheitsgefährdung nicht ausschließen, heißt es. Evakuierungen seien aber bisher nicht geplant. Die Sirenen waren in der ganzen Stadt zu hören.

Von der Gefährdung durch die Giftwolke betroffen sind die Zonen der Stadtteile Linn, Bockum und Uerdingen. Spezialfahrzeuge fahren dort umher und messen die Schadstoffbelastung der Luft. Bisher konnten sie Entwarnung geben, die Werte liegen unterhalb der Toleranzgrenze. Die A57 ist im Unfallbereich gesperrt, bei Regionalzügen kommt es teils zu Komplettausfällen, teils zu Verspätungen. Auch die Krefelder Stadtbahn und der Busverkehr sind durch den Vorfall beeinträchtigt.

Da der Betriebshof des für die Stadtreinigung zuständigen kommunalen Unternehmens im Gefahrenbereich liegt, fällt die Müllabfuhr für die gesamte nordrhein-westfälische Großstadt aus. Auch der Schulunterricht fällt in der Sicherheitszone heute aus, ebenso bleiben die Kindertagesstätten geschlossen.

Kurz vor 11 Uhr vormittags konnte die Stadt Krefeld auf ihrer Facebook-Seite leichte Entwarnung geben: Der Feuerwehr gelang es, die noch vorhandene Menge an Salpetersäure in ein Reservefahrzeug umzupumpen. Sie ist nun damit beschäftigt, die ausgelaufenen zehn Tonnen Säure mit einem Spezialsaugwagen aufzunehmen und danach das Unfallfahrzeug zu bergen, so Andreas Klos, der Leiter der Gefahrenabwehr der Stadt Krefeld. Der Radius des Lockdowns wurde auf 200 Meter verkürzt.

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