Die Krise in der deutschen Metall- und Elektroindustrie könnte sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen. Laut einem Bericht der Bild-Zeitung warnt der Arbeitgeberverband Gesamtmetall vor dem Verlust von bis zu 300.000 Arbeitsplätzen innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre. Das entspräche rechnerisch rund 10.000 Stellen pro Monat. Der damit verbundene zusätzliche Wohlstandsverlust könnte sich auf etwa 35 Milliarden Euro jährlich belaufen.
Bereits in den vergangenen sieben Jahren hat die Branche nach Angaben von Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander rund 350.000 Arbeitsplätze verloren. Damit sei ein jährlicher Wertschöpfungsverlust von etwa 42 Milliarden Euro verbunden.
Derzeit beschäftigt die deutsche Metall- und Elektroindustrie noch rund 3,7 Millionen Menschen. Sollten weitere 300.000 Stellen wegfallen, würde die Beschäftigtenzahl auf etwa 3,4 Millionen sinken – den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung.
Wie angespannt die Lage ist, zeigt auch der angekündigte Stellenabbau beim Auto- und Industriezulieferer Schaeffler. Das Unternehmen will europaweit 3.460 Arbeitsplätze streichen, davon 2.660 in Deutschland. Zudem sollen die Werke in Dortmund und Morbach geschlossen, die Aktivitäten am Standort Berlin eingestellt und der Standort Schwalbach aufgegeben werden.
Der Autozulieferer Bosch verschärft auch seinen Sparkurs und will am Standort Abstatt im Landkreis Heilbronn bis Ende 2029 weitere 750 Arbeitsplätze in der Mobilitätssparte abbauen. Betroffen ist der Geschäftsbereich "Vehicle Motion", der unter anderem Bremssysteme, Fahrzeugsoftware und Fahrzeugsensorik entwickelt. Derzeit beschäftigt Bosch in Abstatt rund 5.300 Menschen. Der Stellenabbau soll möglichst sozialverträglich umgesetzt werden.
Als Gründe nennt das Unternehmen die schwierige Lage in der Automobilindustrie, die stagnierende weltweite Fahrzeugproduktion und die rückläufige Nachfrage in Europa. Hinzu kommt der zunehmende Wettbewerbsdruck durch chinesische Anbieter, die mit günstigeren Lösungen auf den Markt drängen. Zugleich werden Entwicklungsaufgaben zunehmend nach China verlagert, da chinesische Autobauer neue Technologien wie elektronische Brems- und Lenksysteme häufiger zuerst dort einführen und entwickeln lassen. Dadurch entfallen kundennahe Aufgaben am Standort Abstatt.
Wie heute unter anderem gemeldet wurde, steht der Düsseldorfer Toilettenpapier- und Küchenrollenhersteller Jung Papier erneut vor einer Sanierung. Das Unternehmen hatte bereits Ende vergangener Woche einen Insolvenzantrag gestellt. Dies bestätigte Jung Papier gegenüber der Lebensmittel Zeitung, die sich auf ein von Inhaber Volker Jung unterzeichnetes Schreiben an Geschäftspartner beruft.
Als Gründe nennt das Unternehmen die kontinuierlich steigenden Energie-, Rohstoff- und Personalkosten, die den wirtschaftlichen Druck weiter erhöht hätten. Gespräche mit internationalen Investoren seien zwar aufgenommen worden, bislang jedoch ohne Erfolg.
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