Leser schildern Erlebnisse mit der Deutschen Bahn: Lotterie – "6 aus 49 sind pünktlich"

Am 1. Oktober riefen wir unsere Leser dazu auf, ihre "besten" Erlebnisse mit der Deutschen Bahn niederzuschreiben. Inzwischen sind mehrere Briefe eingegangen. Ein Leser schrieb sogar einen langen Artikel, ein anderer eine satirische Kurzgeschichte – diese erscheinen gesondert. Hier der erste Teil der Zuschriften.

Leserbrief von Bert A.

Man sitzt als Ausländer mitten in DE fest und möchte am Schalter der DB eine Fahrkarte kaufen. Nach über einer Stunde Warten wird die Zeit knapp, weil der Schnellzug bald abfährt. Blöd, wenn man sowas nicht geahnt hatte.

Leserbrief von Helga Beck, Sindelfingen

Liebes Team, 

ich weiß nun wirklich nicht, was Sie haben. Auf Bus und Bahn kann man sich doch verlassen. Man weiß sehr zuverlässig, dass man eine Stunde mehr einplanen muss.  

Spaß beiseite, ich finde es riesig nett, dass sie sich als Prellbock für die Bahn zur Verfügung stellen. 

Unser schlimmstes Erlebnis war in einer kalten Winternacht. Der Busfahrer ist uns, wie schon öfter, vor der Nase weggefahren –  obwohl er offizielle Anweisung hat, auf umsteigende Fahrgäste der S-Bahn zu warten, und ich dies auch schon mehrfach reklamiert hatte. Aber was interessiert Höflichkeit, wenn der Feierabend zwei Minuten früher lockt?

Da standen wir nun in Theaterkleidung, und man bedenke, in diesen süßen kleinen Theaterpumps in der Eiseskälte dieser späten Sonntagnacht. Allein der Verkaufsstand für DB-Gäste, genannt  ServiceStore DB, bot die Möglichkeit, uns unterzustellen und vor Blasenentzündung und Schlimmerem zu bewahren. Da ich wegen mehrfacher Krankheiten weder Zigaretten noch Süßigkeiten liebe, verschaffte ich dem Store keinen erhöhten Umsatz. Leider bestand dann der besondere Service des netten Personals darin, uns rauszuschmeißen, weil wir ja nichts kaufen. Auch diesen netten Servicemitarbeiter lockte der frühere Feierabend. Frierende Kunden hin oder her. Wen juckt das schon?

Wir dachten an Klaus Lage: "Wen juckt das schon, wen juckt das schon – Monopoly, Monopoly, wir sind nur die Randfiguren in einem schlechten Spiel."  

Das wirklich Üble ist, dass Bus und Bahn dies Spiel als Dauerspiel "6 aus 49 sind pünktlich" spielen. Ohne Gewinnchance, nur halt mit permanenten Preiserhöhungen. Dies ist der absolute Beweis, dass wir keine menschengemachte Klimakrise haben, wenn sogar die grüne Regierung gewillt und in der Lage ist, ihre tapfersten Kunden zu verprellen. Und wir Kunden sitzen da wie der Frosch, der trotz permanenter Temperaturerhöhung seines heißen Wassers anfängt zu zerkochen.  

Leserbrief von Michael M.

Die Geschichte ist eigentlich keine Geschichte – vielmehr eine Feststellung eines Zustandes. Aber vielleicht wird das ganze dadurch ja zu einer Geschichte.

Das Fahren mit der Deutschen Bundesbahn begann 2004 für mich und endete 2017. Also ein Zeitraum von 13 Jahren. In dieser Zeit kann man etwas erleben und auch feststellen. Es gab Höhen und auch Tiefen, aber durchaus auch Interessantes dabei festzustellen.

Die Züge waren durchaus noch ein zuverlässiger Zeitpartner und synchronisiert mit der Bahnsteiguhr. Man konnte sich auf das System noch verlassen. Das war die Höhe, auf der die Bahn in der Anfangszeit meiner Fahrerei stand. Kurzum: Zuverlässigkeit. Die Privatisierung der Bahn war nicht die allerbeste Idee, hinzu kamen unfähige Leute wie Hartmut Mehdorn, der in seinem Gewinnmaximierungsdenken die Bahn schlicht und ergreifend an die Wand gefahren hat. Es wurden sogenannte Einsparungen vorgenommen, und zwar dort, wo sie nicht hingehörten. Die sich anbahnende Tiefe der Deutschen Bundesbahn nahm damit ihren Lauf. Der Spruch, den ich im letzten Drittel meiner Fahrerei mit der DB am häufigsten gehört habe, war: Zugausfall wegen technischer Probleme.

Geschlossene Toilettentüren in den Wagen waren Standard, natürlich auch wegen technischer Probleme. Der Aufenthalt in den Bahnhöfen und teilweise auch auf den Bahnsteigen wurde unangenehmer. Alles wirkte ungepflegt.

Dadurch, dass ich mit einem alten Schulfreund in Kontakt stehe, der bereits seit über 40 Jahren als verbeamteter Lokführer im Güterzugverkehr tätig ist, erfahre ich einiges, was Arbeitszeiten anbelangt. Es wird im Dreischichtsystem gearbeitet, und Zwölf-Stunden-Schichten sind an der Tagesordnung. Das ist eine Folge der vielen Baustellen, die sich seit den Einsparungen ergeben haben. Das ist eine Folge davon, wenn unfähige Politiker und Leute wie Mehdorn sich einmischen und alles kaputtmachen, was vorher gut funktioniert hat. Auf die Gesundheit der Mitarbeiter wird wie so oft keine Rücksicht genommen.

Fazit: Die Bahn war einmal ein funktionierendes Unternehmen mit Menschen, die noch zum Wohle der Bahnkunden gehandelt haben. Die Menschen konnten sich das Fahren mit der DB noch erlauben und hatten auch Gefallen daran.

Leserbrief von Frank Z.

Hallo, liebes RT-DE-Team,

wenn es um die Bahn geht, muss man als Vielfahrer auf jeden Fall mehrere Grundvoraussetzungen mit sich bringen, um hier und da nicht wahnsinnig zu werden. Es bedarf Muts, Abenteuerlust, meditativer Ruhe und natürlich jeder Menge Verständnis für jede Menge Dinge, die kaum nachvollziehbar sind.

Klar, unser marodes Schienennetz muss so langsam mal hier und da aufwändiger saniert werden, und klar, das bringt Verspätungen mit sich, doch wenn ich an so manche Gespräche mit Mitleidenden an so manchen Bahnhöfen denke, kann man nur den Kopf schütteln ...

Ich denke da an Übersee am Chiemsee, als ich den Bodensee Königssee Radweg fuhr und von dort meine Heimreise bei 33grad antreten wollte, erst fünf Minuten Verspätung, dann 30, und schwupps waren es 90 Minuten Verspätung aus unterschiedlichsten Gründen – Baustelle, Warten auf Personal, Warten auf Anschlusszug, Polizeikontrollen usw.

Im Gespräch kam heraus, dass dies auf dieser Strecke von Salzburg nach München wohl schon seit über einem Jahr so läuft, was ich persönlich für eine Verbindung, die recht stark frequentiert ist, doch ziemlich armselig finde. Jedoch gibt es solche Verspätungsschwerpunkte aktuell quer durchs Land, als würde die Bahn baulich jetzt alles nachholen, was die letzten Dekaden auf der Strecke blieb. Egal, welche strecken ich fahre, ob im Nürnberger Raum oder in Erfurt oder sonst wo, man muss ziemlich oft, ziemlich lang warten oder fährt nach Möglichkeit Umwege ...

Ohne eine gewisse Grundgelassenheit wird Bahn Fahren mehr und mehr zum Stressfaktor, und dass die Bahnen dann auch gerne extrem überfüllt sind, weil sich die Menge aus zwei Fahrten in eine Bahn quetschen muss, erklärt sich von selbst, also keine Angst vor Körperkontakt, vor Gerüchen, kaputten Toiletten und jeder Menge Unzufriedenheit mit den Gefühl, mehr Sardine zu sein als Mensch ... 

Ich selbst habe mittlerweile meinen Frieden mit den Umständen gemacht, lasse lieber eine Bahn aus, wenn sie zu überfüllt ist, und organisiere so, dass ich Richtung Abend zwei bis drei Stunden Puffer drin habe, um sicher noch am selben Tag gut anzukommen. U nd das ist dann auch schon der Weg zum Schlusswort, gut ankommen: Mir ist bewusst, dass die Bahn selbst nichts für ihre Fahrgäste kann, doch vor mittlerweile zwei Jahren wurde ich in der Bahn massiv mit einem Messer bedroht, was schon auch heftige mentale Folgen hatte, das erste Jahr nach diesem Vorfall war es doch sehr schwer, die Bahn zu betreten, ohne Herzrasen zu bekommen wegen eines zugedröhnten Freaks ... Zum Glück war die Polizei recht schnell vor Ort, was mich jedoch bis heute wundert: Ich habe natürlich eine Zeugenaussage gemacht und als betroffener Anzeige erstattet; bis heute, zwei Jahre später, habe ich nichts mehr von der Staatsanwaltschaft oder sonst wem gehört. Aber das ist wohl ein anderes Thema ... 

Lange Rede, kurzer Sinn, es gibt zwischenmenschlich auch sehr viele, sehr schöne Situationen, wenn man einander hilft mit Koffern und Fahrrädern oder ein nettes Schwätzchen am Gleis hält. Aber diese netten Momente wiegen den Stress, die Wartezeit und die Unzufriedenheit nur selten auf ...

Leserbrief von Andrej

Beste Geschichte:

Sauberer Zug. Pünktliche Abfahrt, pünktliche Ankunft, freundliches Personal, keine Überbuchung. Sechshundert Kilometer in exakt vier Stunden. Alles bestens.

War vergangenen Sonnabend.

Usbekische Eisenbahn, Strecke Buchara–Taschkent.

Leserbrief von Gertrude F.

Hallo, liebe Redaktion,

im letzten Jahr fuhr ich mit der Regionalbahn R4 von Mannheim nach Worms.

Kurz nach der Abfahrt kam eine Lautsprecherdurchsage, wonach der Zug  nun 20 Minuten anhalte, weil der Fahrdienstleiter in Frankenthal seine 20-minütige Pause einhalten müsse.

Durch den Ausfall eines anderen Zuges war der Zug übervoll besetzt; wer keinen Sitzplatz ergattert hatte, musste wie eine Sardine dicht gedrängt (darunter ich 85-jährige Frau) 45 Minuten lang stehen, bis der Zug in Worms ankam. Es war nicht das einzige Mal, das das passierte, und es gab noch weitere absurde Vorfälle, deren Schilderung den Rahmen sprengen würde. Fahren mit der Deutschen Bahn wird immer mehr zu einem Abenteuer!

Wir danken allen Lesern für Ihre Zuschriften! Die Leserbriefaktion zur Deutschen Bahn läuft weiter – wir freuen uns auf neue Zuschriften.

Mehr zum Thema – Ihre Odyssee: Die besten Geschichten mit Bahn, Bus und Co.