Alruna H. ist eines der sieben Kinder des rechten Verlegers Götz Kubitschek und der Journalistin Ellen Kositza. Sie studierte auf Lehramt Deutsch und Musik. Ihr Studium kann sie jedoch nicht regulär mit einem Referendariat abschließen. Da ihr Vater als Rechtsextremist eingestuft und sie selbst mit einem Aktivisten der Identitären Bewegung (IB) verheiratet ist, hat ihr ein Gericht dieses Recht verweigert.
Nachdem Alruna für ihren Vorbereitungsdienst als Lehrerin in Dresden abgelehnt wurde, zog sie vor Gericht. Am Montag wies das Sächsische Oberverwaltungsgericht die Beschwerde nun in letzter Instanz zurück. Ihr Referendariat wollte sie an einem Gymnasium in Dresden-Cotta ableisten. Wie das Nachrichtenportal Tag24 berichtet, waren die Eltern am Gymnasium "beunruhigt", nachdem sich herumgesprochen hatte, dass sie dort zu Beginn des Schuljahres am 10. August ihr Referendariat beginnen wollte.
Zunächst ließ das Landesamt für Schule und Bildung sie zu, erhielt dann aber schnell Kenntnis davon, wer da unterrichten sollte. Grund für das Verbot lieferte vor allem die Tatsache, dass sie die rechten Netzwerke nicht verlassen hat. Sie besuchte selbst entsprechende Veranstaltungen der IB, und auch im "Freibund", der der "Neuen Rechten" zugeordnet wird, soll sie sich engagiert haben.
Für die Ermittlung ihrer Aktivität in der rechten Szene zog das Amt den Verfassungsschutz hinzu: Dieser bestätigte in mehreren Schreiben die rechtsextreme Betätigung, unter anderem, dass sie von 2022 bis 2025 regelmäßig an Veranstaltungen des rechtsextremen "Instituts für Staatspolitik" (IfS) ihres Vaters teilgenommen habe und damit einen Personenzusammenschluss unterstütze, der verfassungsfeindliche Bestrebungen verfolge.
Das Landesamt zog die Zulassung zurück. Alruna H. wollte ihr Recht auf das Referendariat beim Dresdner Verwaltungsgericht einklagen. Dieses lehnte ihren Eilantrag ab, H. legte dagegen wiederum Beschwerde vor dem Oberverwaltungsgericht ein.
Unter anderem sei ihr Engagement bei den Rechtsextremisten nur familiär veranlasst gewesen, argumentierte sie. Damit hatte sie keinen Erfolg. "Die Zweifel des Landesamts für Schule und Bildung an der Verfassungstreue der Antragstellerin wurden als berechtigt angesehen", so ein Sprecher des Gerichts.
"Der 2. Senat hat entschieden, dass die Einschätzung des Landesamts für Schule und Bildung nicht zu beanstanden ist, dass weder die Voraussetzungen für die Ableistung des Vorbereitungsdienstes im Beamtenverhältnis auf Widerruf noch für die Ableistung des Vorbereitungsdienstes in einem öffentlich-rechtlichen Ausbildungsverhältnis vorlagen."
Zwar könnte Alruna H. mit ihrem Abschluss des Ersten Staatsexamens prinzipiell als Lehrerin in Berufs- und Privatschulen tätig sein, dennoch kommt der amtliche Ausschluss einem Berufsverbot nahe. Ihr angestrebter Beruf war Gymnasiallehrerin und diesen kann sie nun ohne ein bestandenes Zweites Staatsexamen nicht ausüben.
Die Causa ruft den Fall der bayerischen linken Aktivistin Lisa Poettinger in Erinnerung. Das Bayerische Kulturministerium hat sie 2025 wegen der Mitgliedschaft in einer "linksextremistischen Gruppierung" zum Referendariat nicht zugelassen. Ebenso wurden ihr "gegenwärtig laufende strafrechtliche Ermittlungsverfahren sowie das öffentliche Billigen von Straftaten" zur Last gelegt.
Wie die Mutter von Alruna, Ellen Kositza, auf X mitteilte, haben sie und ihre Tochter über die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts aus dem Radio erfahren. Damit waren die Medien schneller darüber in Kenntnis gesetzt als die Betroffene selbst. Das Ganze sei "haarsträubend", so Kositza. Die Justiz habe von ihrer Tochter Distanzierung von ihren Eltern verlangt und sie mit ihrer Entscheidung in Sippenhaft genommen. Ihr Studium habe sie mit Familie und Kindererziehung vereinbart.
Institut für Staatspolitik: Seit 2023 "rechtsextrem"
Alruna H. ist die Tochter des Ehepaars Götz Kubitschek und Ellen Kositza, die in Sachsen-Anhalt einen Verlag und das (mittlerweile aufgelöste und unter anderer Leitung erneut betriebene) Institut für Staatspolitik aufgebaut haben. Letzteres firmierte als Denkfabrik für die Neue Rechte. Zum Sommerfest in Schnellroda und den dort veranstalteten Vorträgen traf (und trifft) sich, was in der neurechten Szene Rang und Namen hat.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte das Institut für Staatspolitik im Jahr 2023 als "gesichert rechtsextrem" eingeordnet. Kubitschek erlangte Bekanntheit durch die Äußerung, man wünsche "nicht die Beteiligung am Diskurs, sondern sein Ende als Konsensform; nicht ein Mitreden, sondern eine andere Sprache; nicht den Stehplatz im Salon, sondern die Beendigung der Party", was ihm als grundsätzliche Systemablehnung ausgelegt wurde. Im Sinne einer rechten Metapolitik hatte Kubitschek auch die gezielte Provokation als strategisches Kampfmittel propagiert. Unter anderem über den Germanisten Filipp Fomitschow pflegt der Verleger auch Kontakte nach Russland; er besuchte das Land im Herbst 2025.
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