Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, ist zum Vorsitzenden des NATO-Militärausschusses gewählt worden. Die Abstimmung fand am 19. September in Kopenhagen statt. Für den Posten kandidierten lediglich zwei Personen: Breuer und die kanadische Generalstabschefin Jennie Carignan. Carignan unterlag schließlich dem deutschen Kandidaten.
Breuer wird sein Amt im Juli 2027 antreten und den Italiener Giuseppe Cavo Dragone ablösen. Der Vorsitzende des NATO-Militärausschusses wird alle drei Jahre gewählt. Der Amtsinhaber gilt traditionell als wichtigster militärischer Berater des NATO-Generalsekretärs und wirkt an der Ausarbeitung der militärischen Strategie des Bündnisses mit.
Breuer selbst hatte viel dafür getan, sich in diesem Rennen durchzusetzen. Noch vor der Abstimmung reiste er persönlich in die Hauptstädte der Staaten, die zu den wichtigsten NATO-Partnern Deutschlands gehören. Dass sich die europäischen NATO-Mitglieder für einen deutschen Kandidaten entschieden, steht zugleich im Zusammenhang mit der gewachsenen Rolle Berlins im Bündnis.
Seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump besteht bei den europäischen NATO-Staaten ein verstärktes Bedürfnis nach einer stärkeren europäischen Rolle innerhalb des Bündnisses. Zugleich sind die Beziehungen zwischen Kanada und den USA angespannt. Die Wahl eines Kandidaten aus Ottawa hätte die Spannungen innerhalb der NATO womöglich weiter verschärft.
Deutschland hat in den vergangenen Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen, um seine Verteidigungsfähigkeit zu stärken. Noch unter Bundeskanzler Olaf Scholz wurde mit der "Zeitenwende" eine neue sicherheitspolitische Ära ausgerufen. Darauf folgte eine deutliche Erhöhung der Verteidigungsausgaben. Unter Friedrich Merz wurde schließlich das ambitionierte Ziel formuliert, die Bundeswehr zur stärksten Landstreitkraft Europas zu machen.
Auch bei der Unterstützung der Ukraine übernahm Berlin eine führende Rolle. Deutschland wurde schrittweise zu einem der wichtigsten Akteure in der Ukraine-Kontaktgruppe im sogenannten Ramstein-Format und bei anderen zentralen Bereichen der Unterstützung Kiews.
Breuer gilt dabei als Vertrauter von Scholz. Seit 2023 war er maßgeblich an der Neuausrichtung der deutschen Sicherheitspolitik auf eine stärkere militärische Ausrichtung beteiligt. Gemeinsam mit Verteidigungsminister Boris Pistorius trieb er den Umbau der Bundeswehr voran, um sie auf eine Konfrontation mit der "russischen Bedrohung" vorzubereiten.
Breuer warnte mehrfach davor, dass Russland ab dem Jahr 2029 oder sogar früher zu einem Angriff auf NATO-Gebiet in der Lage sein könnte. Besonders viel Beachtung fand in diesem Zusammenhang ein Interview des Generalinspekteurs mit der Süddeutschen Zeitung im Mai 2026.
Als Vorsitzender des NATO-Militärausschusses kann Breuer künftig erheblichen Einfluss auf die militärische Ausrichtung des Bündnisses nehmen. Als militärischer Berater von NATO-Generalsekretär Mark Rutte wird er zudem an den strategischen Planungen der Allianz beteiligt sein. Die Stärkung der Verteidigungsfähigkeit der Ostflanke dürfte dabei weiterhin zu seinen Schwerpunkten gehören.
Gleichzeitig steht die NATO vor weiteren Herausforderungen. Neben dem Ukraine-Konflikt beschäftigen das Bündnis auch die Interessen der südeuropäischen Staaten, die mit einem Zustrom illegaler Migranten konfrontiert sind, sowie die Pläne Washingtons, seine militärische Präsenz in Europa zu reduzieren.
Insgesamt könnten bis zu 40.000 US-Soldaten den europäischen Kontinent verlassen. Das entspräche etwa der Hälfte der derzeitigen US-Militärpräsenz in der EU. Sollte Washington diese Pläne umsetzen, würde die Anpassung an die veränderten Bedingungen maßgeblich in Breuers Amtszeit fallen. Damit übernimmt der deutsche General den Vorsitz des NATO-Militärausschusses zu einem Zeitpunkt, an dem sich die militärische Rolle Europas innerhalb des Bündnisses neu ordnen könnte.
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