Leben mit der Roten Armee – Folge 4: Licht und Schatten

RT DE hat seine Leser, die in der DDR oder in den ersten Jahren nach der Wiedervereinigungen Erfahrungen mit der damals dort stationierten Sowjetischen Armee gemacht haben, gebeten, Sie zu teilen. In der heutigen Folge drei veröffentlichen wir drei Leserbriefe.

Folge 1

Folge 2

Folge 3

"Wir sind mit den Kindern der Offiziere aufgewachsen" (Leserbrief von Heike Knuth Hartmann, 13.08.2026)

In meiner Heimatstadt waren viele sowjetische Soldaten stationiert. Wir sind mit den Kindern der Offiziere aufgewachsen, haben zusammen gefeiert und waren einander Freunde.

Später hatten wir als Betrieb eine Patenschaft mit einer sowjetischen Abteilung, wir haben uns immer gut verstanden. Wir hatten einen Garten, der war nie abgeschlossen, aber die Soldaten haben sich nie getraut, etwas zu nehmen. Sie haben gefragt, ist mir zweimal passiert, da wollte ein Soldat von mir Blumen kaufen, ich habe sie ihm geschenkt.

Offizielle Rhetorik vs. Realität (Leserbrief von Rene Adler, 17.08.2026)

Direkter Kontakt zur Bevölkerung war offiziell eingeschränkt, teils verboten – die Soldaten durften die Kasernen kaum verlassen. Erinnerungen ans Kriegsende 1945 (Vergewaltigungen, Plünderungen) wirkten in vielen Familien nach, wurden aber öffentlich tabuisiert. Kriminalität sowjetischer Soldaten (Diebstahl, Gewalt) wurde in der DDR-Presse kaum thematisiert.

Nach 1990 kam es zu offener geäußerter Ablehnung, teils auch zu Übergriffen auf abziehende Soldaten. Die Zwangsfreundschaft von oben ("Freundschaft mit der Sowjetunion" als Staatsdoktrin, Pflichtveranstaltungen, russische Sprache als Schulfach) erzeugte eher Überdruss als echte Sympathie – vieles wurde als aufgesetzt empfunden.

Die Soldaten lebten fast völlig abgeschottet in Garnisonen – kaum Alltagskontakt, kaum Sprachaustausch. Das erzeugte Fremdheit statt Nähe – man sah sie eher als "Besatzer", auch wenn das offiziell nicht so heißen durfte.

"Schade, dass ich nie in Russland war" (Leserbrief von Mike aus Sachsen, 19.08.2026)

Ich komme aus der ehemaligen DDR und habe die Sowjets zu DDR-Zeiten erlebt. Sie haben uns nie etwas getan und haben nur ihren Militärdienst in der DDR abgeleistet.

Nur schade, dass ich nie in Russland war. Ich hätte mir das Land gern mal angesehen. Ist bestimmt wunderschön dort. Ja, mal sehen, vielleicht, wenn der Krieg vorbei ist.

Aber eines muss ich auch sagen: Russland hätte wissen müssen, dass die NATO Spezialist darin ist, über Dritte einen Krieg anzuzetteln, um daraus nur selbst Nutzen zu ziehen. Sprich, Waffenlieferungen und militärische Forschung.

Am Ende geht es auch darum, das die BRICS-Staaten einfach zu mächtig geworden sind und die Amis sich nicht direkt mit China anlegen wollen oder können. Es darf ja keine eigenen Toten kosten. Also führen oder schüren sie Kriege gegen alle Rohstofflieferanten und Unterstützer Chinas.

Aber nun hat sich Russland auf so etwas eingelassen. Da wieder rauszukommen, wird schwierig. Russland führt ja einen Krieg nicht nur gegen die Ukraine, sondern auch gegen die gesamte NATO. Die NATO-Staaten verdienen das Geld, Russland und die Ukraine sind die Verlierer, ihnen bleiben nur die Toten.

Ich hoffe, dass Russland einen Weg findet, das alles zu beenden. Russland hat in den ganzen Kriegen in der Geschichte schon genug Opfer gehabt.

Die Leserbriefaktion läuft noch bis zum 30. August 2026. Wir freuen uns auf Ihre Erinnerungen. Für Zuschriften nutzen Sie bitte die Leserbrieffunktion oder nutzen Sie direkt die E-Mail-Adresse pressertde@rttv.ru.

Mehr zum Thema – "Bitte schreiben Sie uns ihre Erinnerungen" – Wie war das Leben mit den Soldaten der Roten Armee?