56 Prozent der Deutschen blicken sorgenvoll in die Zukunft, 11 Prozent sogar mit großer Angst. Das ergab eine Verbraucherumfrage, die im Auftrag der Schufa im März durchgeführt wurde. Und die anderen Fragen belegen, dass es für dieses Gefühl durchaus handfeste Grundlagen gibt.
Schließlich fürchten 77 Prozent eine allgemeine Inflation, 76 Prozent steigende Energiekosten. Dabei machen sich Geringverdiener noch einmal deutlich stärkere Sorgen ‒ hier fürchten 83 Prozent die Inflation. Warum? Weil selbst von den gut Verdienenden nur 45 Prozent ausreichende Rücklagen haben, von den Geringverdienern nur 8 Prozent. Insgesamt glauben nur 22 Prozent, dass ihre Rücklagen ausreichen, 36 Prozent fürchten, dass dies nicht der Fall ist, 16 Prozent haben sie bereits aufgebraucht, und 22 Prozent haben keine oder hatten noch nie welche.
Da ist es kein Wunder, dass 88 Prozent versuchen, Energie einzusparen, 82 Prozent ihre Ausgaben reduzieren, 46 Prozent in den letzten Monaten auf Ersparnisse zurückgreifen mussten und ebenso viele größere Anschaffungen erst einmal verschieben. Im Gegensatz zur Bundesregierung, die trotz allem versucht, so zu tun, als ginge alles irgendwie gut, sorgen sich bereits 46 Prozent darum, dass es Lieferengpässe beim Öl geben könnte.
Ein besseres Jahr als 2025 für sich selbst erwarten nur noch 36 Prozent der Befragten ‒ für Deutschland insgesamt sogar nur noch 16 Prozent. "Damit rutscht die Stimmung beim Blick auf die persönliche Situation auf das Niveau der Energiekrise im Herbst 2022", folgert daraus sogar die Schufa, deren eigentliches Geschäft das Inkasso ist.
Übrigens war diese Umfrage wegen des Iran-Kriegs eingeschoben worden. Seit 2020 gibt die Schufa diese Umfragen mehrere Male im Jahr in Auftrag, aber die aktuelle Umfrage folgte im März auf eine Umfrage im Februar. Und die Vermutung, die hinter diesem Auftrag stand, dürfte sich bestätigt haben ‒ die Stimmung hat sich vom Februar zum März deutlich verschlechtert. Im Februar glaubten immerhin noch 33 Prozent, dass das Jahr 2026 für alle besser werde als 2025.
Immerhin, das ist bereits der dritte ökonomische Schock, den die Deutschen innerhalb von sechs Jahren erleben. Erst das Jahr 2020 mit Corona-Krise und Lockdowns, dann die Energiekrise, die von den Russland-Sanktionen 2022 ausgelöst wurde, und nun die Folgen des Iran-Kriegs. Kein Wunder, dass sich weit und breit kein Optimismus findet. Aber wenn diese Stimmung mit einem realen, starken Inflationsschub zusammentreffen sollte (was von der weiteren Entwicklung im Iran-Krieg abhängt), dann ergibt das zusammen ein Phänomen, das seit 1973 gefürchtet wird: eine Mischung aus Stagnation und Inflation, kurz Stagflation genannt.
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