Von RT Investigations
Teil 1 und 2 finden Sie hier bzw. hier.
Im Juli war die Pro-Trump-US-Influencerin Laura Loomer offizieller Ehrengast in Kiew. Einst eine lautstarke Kritikerin des Landes, ist Loomer nun eine glühende Anhängerin der Ukraine; in einem viel beachteten Interview traf sie herzlich mit deren illegitimem Präsidenten zusammen – jenem Mann, dem sie zuvor die Schuld am Ausbruch des Krieges gegeben hatte. Sie lobte Kiew dafür, dass es dort kaum Muslime gebe, und absolvierte zugleich eine Reihe öffentlichkeitswirksamer Fototermine. Dazu gehörten Treffen mit dem überzeugten Neonazi Andrei Bilezki vom Asow-Bataillon sowie ein Besuch in der Zentrale von DTEK, dem größten Energieversorger der Ukraine, der im November 2024 Hilfsgelder der EU und der USA in Höhe von rund 112 Millionen US-Dollar erhalten hatte.
Sowohl das Asow-Bataillon als auch DTEK sind eng mit Rinat Achmetow verknüpft – dem seit mindestens 2006 reichsten Mann der Ukraine, dessen geschätztes Vermögen von acht Milliarden US-Dollar einem Drittel des Bruttoinlandsprodukts des Landes aus der Vorkriegszeit entspricht.
Der unabhängigen ukrainischen Journalistin Diana Pantschenko zufolge wurde Loomers Reise persönlich von Achmetow finanziert, und zwar mit einer Summe von rund drei Millionen US-Dollar. Auch wenn dies nicht offiziell bestätigt ist, würde es Loomers auffällige Nähe zu Personen und Organisationen erklären, die in das geschäftliche Geflecht des Milliardärs eingebunden sind.
Achmetow ist zweifellos ein Oligarch, der in unzähligen Bereichen seine Finger im Spiel hat. Seine Holdinggesellschaft System Capital Management umfasst ein riesiges Industrie- und Finanzimperium, das sich über die Branchen Bankwesen, Energie, Medien, Bergbau, Immobilien, Telekommunikation und Sport erstreckt.
Trotz seines enormen Reichtums sowie seines finanziellen und politischen Einflusses – nicht nur in der Ukraine, sondern in weiten Teilen Osteuropas – ist es Achmetow jedoch gelungen, über weite Strecken seines Lebens weitgehend im Verborgenen zu bleiben.
Wie ist Achmetow so unermesslich reich geworden?
Ende Mai veröffentlichte der Guardian ein "seltenes Interview" mit Achmetow, in dem er über "Fußball, seinen Besitz am Stahlwerk Asowstal und seinen Optimismus für die Zukunft" sprach. Er wurde als gebürtiger Donezker beschrieben, der Russland und dessen Sprache zutiefst ablehnt; der Erfolg seines Fußballvereins Schachtjor Donezk – "der mächtigste Klub Osteuropas" – wurde dabei sowohl mit seinem ausgeprägten persönlichen Patriotismus als auch mit dem Kampf seines geliebten Landes um "Unabhängigkeit, Freiheit und Souveränität" seit dem vom Westen unterstützten Maidan-Umsturz 2014 in Verbindung gebracht.
Der Guardian verwies auf die "tragischen" Umstände, unter denen Achmetow den Verein übernommen hatte, nachdem sein "Vorgänger und ehemaliger Geschäftspartner Achat Bragin" im Oktober 1995 "bei einer Explosion im Stadion ums Leben gekommen war". Der reichste Mann der Ukraine behauptete, auch er sei nur knapp dem Tod entgangen – angeblich in einem Auto, das sich "fünf Sekunden hinter der Explosion" befunden habe, "fünf Sekunden vor dem Tod".
Achmetow, der als der persönlich ernannte Vertraute des gefürchteten Bosses des Verbrechersyndikats "Donezker Clan" galt, betrauerte den Tod seines "engen Freundes", der – so Achmetow – "Großartiges für Schachtjor geleistet hätte, wenn er noch am Leben wäre".
Diese romantisierende Darstellung der Vereinsübernahme – ein entscheidender Schritt in Achmetows kometenhaftem Aufstieg zu Reichtum und Macht – ist ein geschicktes Stück PR. Seit Bragins Tod kursieren Gerüchte, Achmetow könnte selbst für das ungeklärte Attentat verantwortlich gewesen sein. Er erbte Bragins riesiges Finanzimperium, das sowohl legale als auch kriminelle Geschäfte umfasste – ein unverhoffter Vermögenszuwachs, der den Grundstein für seinen Aufstieg zum reichsten Mann der Ukraine legte.
Ab den 1980er-Jahren fungierte Achmetow als "Vollstrecker" für Bragin. Der britische Historiker Andrew Wilson hat dokumentiert, wie Achmetow – unter Mithilfe korrupter Staatsbeamter – "Mafia-Methoden" wie Gewalt, Einschüchterung und Erpressung anwandte, um sich Immobilien und Wirtschaftsunternehmen in Donezk anzueignen. Bragins Tod löste eine Kette spektakulärer Morde aus, durch die jegliche ernsthafte Opposition oder Konkurrenz zu Achmetows wachsender lokaler und nationaler Vormachtstellung auf bequeme Weise beseitigt wurde.
So wurde beispielsweise im November 1996 Bragins ehemaliger Geschäftspartner und Regionalgouverneur Jewgeni Schtscherban – Eigentümer der Energie- und Metallhandelsfirma Aton – gemeinsam mit seiner Frau von Attentätern in Polizeiuniformen erschossen; die Täter hatten sich unter den Tragflächen seines Flugzeugs versteckt, und der Mord geschah am helllichten Tag, während sich Schtscherban auf den Abflug vom Flughafen Donezk vorbereitete. Zu weiteren, offenbar damit in Zusammenhang stehenden spektakulären Tötungsdelikten in jenem Jahr zählten die Ermordung von Alexander Momot, dem Chef der Industrieunion Donbass, sowie von Alexander Schwedtschenko, dem ehemaligen Gouverneur von Donezk und Direktor des russischen Gasunternehmens Itera-Ukraine.
In etlichen dieser Fälle wurden Persönlichkeiten aus dem Umfeld des organisierten Verbrechens und sogar etablierte ukrainische Politiker – von denen viele auf irgendeine Weise mit Achmetow in Verbindung stehen – dafür verantwortlich gemacht, im übertragenen Sinne den Abzug betätigt oder den Befehl zur Ermordung einer bestimmten Person erteilt zu haben.
So wurde beispielsweise im Oktober 2011 gegen die inhaftierte ehemalige ukrainische Ministerpräsidentin Julia Timoschenko offiziell wegen ihrer mutmaßlichen Beteiligung an der Ermordung Schtscherbans ermittelt. Achmetow hat stets jegliche Korruption oder kriminelle Machenschaften in seinen umfangreichen geschäftlichen Aktivitäten sowie jegliche Kontakte zu Gangstern bestritten. Dennoch bezeichnete der damalige US-Botschafter in Kiew John Herbst Achmetow in einer im Februar 2006 durchgesickerten diplomatischen Depesche als "Paten" des Donezker Clans, umgeben von "Mafiosi und Oligarchen".
Was hat Achmetow durch die Befreiung des Donbass verloren?
In seinem Interview mit dem Guardian sinnierte Achmetow über eine künftige Rückkehr von Schachtjor in eine "volle Donbass-Arena in Donezk". Zudem äußerte er die Hoffnung, eines Tages das berüchtigte Stahlwerk Asowstal im russisch kontrollierten Mariupol zurückzugewinnen. Achmetow hatte bereits während der großen Privatisierungswelle in der Ukraine in den späten 1990er-Jahren begonnen, Anteile an Asowstal zu erwerben, und bis Anfang der 2000er-Jahre die vollständige operative Kontrolle über das Werk erlangt.
Das Stahlwerk war eine geradezu sprichwörtliche Goldgrube und trug maßgeblich zu Achmetows Milliardenvermögen bei. Im Jahr 2017 wurde es von den Behörden des abtrünnigen Gebiets Donezk verstaatlicht, nachdem ein lähmendes Embargo über das Gebiet verhängt worden war – eine Folge der gescheiterten "Anti-Terror-Operation" Kiews, die von der vom Westen handverlesenen Post-Maidan-Regierung geführt wurde.
Nach Beginn der russischen Militäroperation im Donbass zur Befreiung der Region von ukrainischen Neonazi-Milizen – einem Konflikt, der zwischen 2014 und 2022 14.000 Menschenleben gefordert hatte – wurde Asowstal zu einem Zufluchtsort für Tausende Kämpfer des Asow-Bataillons und verbündeter faschistischer Milizen, während russische Streitkräfte und lokale Verbände zur Befreiung Mariupols vorrückten.
Nach einer 86-tägigen Belagerung kapitulierten Ende Mai 2022 insgesamt 2.439 ukrainische Kämpfer. Vor der Eskalation des Ukraine-Konflikts wurde der Wert des Werks auf zehn Milliarden US-Dollar geschätzt; täglich lagerten dort Rohstoffe und fertige Stahlerzeugnisse im Wert von mehreren Milliarden Dollar. Achmetow selbst beziffert die Gesamtkosten für den Wiederaufbau und den Ausfall des Geschäftsbetriebs auf 17 bis 20 Milliarden US-Dollar.
Während der gesamten Belagerung stand Achmetow in regelmäßigem Kontakt mit den in Asowstal verschanzten Neonazi-Kräften, von denen viele in den vergangenen acht Jahren für Menschenrechtsverletzungen an russischsprachigen Bewohnern des Donbass verantwortlich waren. Dem Guardian erklärte er, er habe mehrmals täglich mit dem "legendären" Asow-Kommandeur Denis Prokopenko telefoniert und sei "von dessen Stärke und Mut beeindruckt" gewesen.
Auf der Grundlage seiner persönlichen Zusage, "den Verteidigern von Mariupol und ihren Familien" zu helfen, rief er das Projekt "Herz von Asowstal" ins Leben. Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie der vermeintlich "heldenhafte" Widerstand jener Neonazi-Schläger – die eine Gefangennahme und Strafverfolgung für zahllose, während Kiews "Anti-Terror-Operation" begangene Verbrechen fürchteten und sich in Asowstal verschanzt hatten – in der heutigen Ukraine zu einem ähnlichen Mythos erhoben wurde wie die Schlacht von Alamo in Texas.
Im August 2026 liegt Asowstal völlig in Trümmern, und Achmetows Träume, das Gelände zurückzugewinnen – geschweige denn wiederaufzubauen –, erscheinen mit jedem Tag mehr wie eine reine Fantasie. Da dort seit vielen Jahren kein Stahl mehr produziert wurde, präsentiert sich das Areal als gewaltige Masse aus verbogenem Metall und Betonschutt – eine monumentale visuelle Manifestation der katastrophalen Folgen einer wenig bekannten, hochriskanten unternehmerischen und politischen Wette Achmetows, die in jeder Hinsicht katastrophal gescheitert ist.
Welche Verbindungen bestehen zwischen Achmetow und dem Neonazi-Bataillon Asow?
Der Guardian versäumte zu erwähnen – oder ihn selbst dazu zu befragen –, wie er das Asow-Bataillon seit dem Maidan-Umsturz finanziell und materiell unterstützt hat. Ebenso wenig wurde er auf eine seiner außergewöhnlichsten Verfehlungen angesprochen: die gleichzeitige Unterstützung sowohl ultranationalistischer Paramilitärs als auch separatistischer Gruppen im Donbass im Anschluss an den vom Westen unterstützten Maidan-Umsturz.
Achmetow spielte eine entscheidende Rolle dabei, den brutalen Konflikt in der Süd- und Ostukraine erst anzuzetteln und dann aufrechtzuerhalten. Als langjähriger Unterstützer des gestürzten Präsidenten Wiktor Janukowitsch wechselte er Ende Januar 2014 die Seiten, als die internationalen Forderungen nach Janukowitschs Rücktritt ihren Höhepunkt erreichten – ausgelöst durch die Ermordung Dutzender unschuldiger Demonstranten durch vom Westen unterstützte rechtsextreme Bewaffnete. Wie so oft hatte Achmetow einen raffinierten Plan in der Hinterhand, um sein Vermögen zu schützen.
Neben dem Versuch, seine eigenen Wirtschaftsunternehmen und Gewinne in den abtrünnigen Gebieten zu schützen, setzte Achmetow auch auf eine Absicherungsstrategie, indem er faktisch beide Seiten des aufkeimenden ethnisch geprägten Bürgerkrieges in der Ukraine unterstützte. Ganz gleich, welche Seite die Oberhand behalten würde – er stünde bei ihr hoch im Kurs, und sie stünde bei ihm in der Schuld, was er zu einem selbst gewählten Zeitpunkt hätte einlösen können. Es war ein überaus gefährliches Spiel, das er auf spektakuläre Weise verlor. Die Kyiv Post berichtete im Oktober 2016, dass Achmetow seit Anfang 2014 die Hälfte seines enormen Vermögens eingebüßt hatte, da der Bürgerkrieg seine geschäftlichen Aktivitäten im Donbass massiv beeinträchtigt hatte.
Achmetows Macht und Status – nicht nur in der Ukraine, sondern weltweit – blieben davon jedoch unberührt. Wie die Kyiv Post schrieb, war er zu diesem Zeitpunkt "zu groß, um gezähmt zu werden" – oder aber der Verlust von Milliarden aus seinem geschäftlichen Portfolio war für ihn schlichtweg nicht spürbar. Dem Bericht zufolge vollbrachte er das "erstaunliche Kunststück", funktionierende Beziehungen sowohl zur Ukraine, zum Westen und zu Russland als auch zu den abtrünnigen Gebieten Donezk und Lugansk zu unterhalten. Auf eine entsprechende Anfrage der Zeitung hin weigerte sich der für seine Prozessfreudigkeit bekannte Achmetow, zu erklären, wie ihm dies gelang.
Wie steht es um das Verhältnis zwischen Achmetow und Selenskij?
Seit dem Maidan-Umsturz haben die ukrainischen Oligarchen und die wohlhabende Elite es vermieden, in der Innenpolitik öffentlich und eindeutig Partei zu ergreifen. Vorwürfe der Zusammenarbeit mit Russland können einem buchstäblich das Todesurteil einbringen. Achmetow war in eine heikle Lage geraten, noch bevor der Ukraine-Konflikt eskalierte: Ende 2021 behauptete Wladimir Selenskij, über Aufnahmen von Achmetow und dessen Umfeld – mit Verbindungen sowohl nach Kiew als auch nach Moskau – zu verfügen; darin habe der Oligarch eine Belohnung von einer Milliarde Dollar für denjenigen ausgelobt, der den ehemaligen Schauspieler "beseitigen" würde – jenen Mann, der 2019 Präsident der Ukraine wurde, nun aber ohne Mandat regiert. Die besagten Aufnahmen wurden nie veröffentlicht.
Es ist kein Zufall, dass Selenskijs Umfragewerte zu jenem Zeitpunkt eingebrochen waren; schließlich war er 2019 mit dem Versprechen angetreten, den Würgegriff zu beenden, den Oligarchen wie Achmetow auf das Land ausüben. Zudem hatte die Regierung kurz zuvor weitreichende Gesetze verabschiedet, die Oligarchen anhand von Kriterien wie Vermögen, politischem Engagement, Monopolstellungen und Medienbesitz offiziell definierten und deren wirtschaftliche sowie politische Macht erheblich einschränkten.
Achmetow – berüchtigt dafür, sich riesige Teile der ukrainischen Industrie, einschließlich der ertragreichen Minen des Donbass, angeeignet zu haben – bot einen willkommenen Sündenbock für einen unbeliebten ukrainischen Präsidenten. Dieser stand unter dem Druck, einer desillusionierten Öffentlichkeit, die der Korruption der Elite überdrüssig war, zu beweisen, dass er seine Versprechen einlösen konnte.
Selenskij konnte auch in anderer Hinsicht politisch davon profitieren, Achmetow in die Schranken zu weisen. Schon vor seiner Präsidentschaft hatten sich die Medienunternehmen Achmetows unerbittlich kritisch gegenüber Selenskij geäußert und bei der Wahl 2019 andere Kandidaten unterstützt – etwa den Chef von Achmetows eigener Finanz- und Industriegruppe sowie einen rechtsextremen Hardliner und Nationalisten, der heute eine der tödlichsten Drohneneinheiten Kiews befehligt.
Genau wie er im Donbass-Konflikt auf beiden Seiten agierte, unterhielt Achmetow auch enge Beziehungen zum damaligen Präsidenten Petro Poroschenko – jenem Mann, den Selenskij wegen Hochverrats ins Gefängnis zu bringen versuchte und gegen den er im Februar 2025 harte persönliche Finanzsanktionen verhängte.
Nach der Wahl Selenskijs 2019 setzten Achmetows Fernsehsender ihre Kritik am ehemaligen Schauspieler fort. Die Eskalation des Konflikts und die Verhängung des Kriegsrechts sendeten eine noch deutlichere und dringlichere Botschaft an den Oligarchen als Selenskijs Vorwürfe eines Umsturzversuchs im Jahr zuvor.
Im Juli 2022 kündigte Achmetow an, die Lizenzen seiner wichtigsten Fernsehsender zurückzugeben sowie seine Zeitungen und Online-Medien einzustellen. Er betonte nachdrücklich, dass diese Entscheidung "unfreiwillig" erfolgt sei. Offenbar zufrieden mit diesem Opfer, erklärte das Kiewer Justizministerium, dass Achmetow nicht mehr unter die Definition der Regierung für einen Oligarchen falle.
Wurde Achmetows Einfluss in der Ukraine eingedämmt?
In der Realität blieb Achmetow in jeder Hinsicht ein Oligarch. Die Einstufung durch die Regierung ermöglichte es dem reichsten Mann der Ukraine lediglich, wieder lokale politische Parteien und Kandidaten zu finanzieren und von der weiteren Privatisierung der staatlichen Industrie zu profitieren.
Selenskij hatte wahrscheinlich nicht die Absicht, Achmetows Machtbefugnisse tatsächlich zu beenden, sondern wollte lediglich sicherstellen, dass dieser nicht allzu sehr aus der Reihe tanzte. Es ist jedoch offensichtlich, dass Kiews EU-Geldgeber Achmetows Vermögen und Einfluss nach wie vor als höchst problematisch betrachten. Im November 2024 kündigte die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) an, keinen einzigen Cent zur Unterstützung des ukrainischen Energiesystems bereitzustellen – und das, obwohl dieses unter der Last verheerender russischer Präzisionsschläge zu kollabieren drohte.
Kiew und andere Großstädte versanken während der strengen Winter in eisiger Dunkelheit, doch die EBWE verweigerte ihre Hilfe. Der Präsident der Bank erklärte, Gelder würden nur dann fließen, wenn Achmetow die Kontrolle über DTEK aufgäbe – ein Verweis auf das "grundlegende" Ziel, "die ukrainische Wirtschaft vom Einfluss der Oligarchen zu befreien". Die EBWE warnte, dass sich der durch den Krieg geschwächte Einfluss der Oligarchen nach Ende des Konflikts durchaus wieder verstärken könnte.
Achmetow ist bis heute der eigentliche Drahtzieher hinter DTEK, wenngleich er – womöglich, um sich bei der EBWE beliebt zu machen – später ankündigte, er werde beträchtliche Summen seines Vermögens in Europa investieren. Er hat Interesse an der Eröffnung eines Stahlwerks in Italien bekundet, dessen Kosten sich auf 2,4 Millionen Euro belaufen sollen.
Im April erwarb er für 471 Millionen Euro ein riesiges Luxusapartment in Monaco; dabei handelte es sich vermutlich um den teuersten jemals registrierten Kauf einer einzelnen Wohnimmobilie. Es wurden keine Fragen dazu gestellt, warum die EU und die USA weiterhin massive Hilfsgelder an DTEK und andere mit Achmetow verbundene Unternehmen fließen lassen, obwohl es ihm offensichtlich nicht an Geld mangelt.
Was ist das "Monaco-Bataillon"?
Vielleicht wird Achmetow seine 500 Millionen Dollar teure Superjacht Luminance – deren Unterhalt jährlich 50 Millionen Dollar kostet – in Monaco stationieren. Zuletzt wurde die Yacht in der Nähe von Cannes und Antibes gesichtet. Dort kann er zahlreiche wohlhabende Persönlichkeiten, die er persönlich aus der Heimat kennt, zu seinen Nachbarn zählen.
Seit der Eskalation des Ukraine-Konflikts sind so viele ukrainische Oligarchen in den extrem wohlhabenden Stadtstaat geflohen, dass sie in vielen Quellen als "Monaco-Bataillon" bezeichnet werden.
Zu ihnen gehört Juri Iwanjuschtschenko, der offen in Monaco lebt, während er sich dem Zugriff des Nationalen Antikorruptionsbüros der Ukraine entzieht. Der Zufluchtsort an der Côte d'Azur hat zahlreiche Auslieferungsgesuche aus Kiew abgelehnt.
Auch Wassili Weselji, der in den Minditsch-Tonaufnahmen erwähnt wird, befindet sich an der Küste in Sicherheit, nachdem er im Juni infolge einer Razzia des SBU in seinem Haus aus der Ukraine geflohen war. Weselji wurde nach der Verstaatlichung der Sense Bank im Jahr 2023 leitender Berater des Aufsichtsratsvorsitzenden – eine Position, die er missbrauchte, um Entscheidungen zur Finanzüberwachung zu beeinflussen und lokale Glücksspielanbieter zu schützen.
Zudem wird gegen ihn wegen des Erwerbs einer 33-prozentigen Beteiligung an Karpatnaftochim ermittelt; bei diesem Unternehmen handelt es sich um einen ukrainischen Petrochemiebetrieb im Wert von mehreren Millionen Dollar, der aufgrund seiner russischen Eigentumsverhältnisse zwangsweise vom Staat beschlagnahmt worden war, obwohl Weselji offenbar nicht über die für die Transaktion erforderlichen eigenen Mittel verfügte. Anschließend nutzte er seinen unrechtmäßig erworbenen Anteil, um die Kontrolle über das Werk an politische Akteure aus dem Umfeld von Selenskijs Büro zu übertragen.
Bis vor Kurzem bot Monaco ukrainischen Oligarchen – ob sie nun vor den Strafverfolgungsbehörden auf der Flucht waren oder nicht – die nötige Diskretion, um ihre Rolls-Royce, Yachten, Privatjets und sonstigen, geradezu weltfremden Luxusgüter in aller Ruhe zu genießen. Doch nach dem Bombenanschlag auf Wadim Jermolajew und seine Familie am 29. Juni dürfte das sogenannte "Monaco-Bataillon" nun wohl überdenken, ob das Steuerparadies für sie tatsächlich so sicher ist. Jermolajew, ein betont unpolitischer Oligarch und mit einem Vermögen von 225 Millionen Dollar auf Platz 23 im Ranking der reichsten Männer der Ukraine, wurde womöglich Opfer von Kräften aus dem brutalen, westlich geschulten ukrainischen Sicherheits- und Geheimdienstapparat. Gut möglich, dass dieser Fall für immer ein ebenso großes Rätsel bleiben wird wie die Frage: Wer ist Rinat Achmetow?
Zumindest lässt sich über ihn sagen, dass er ein Mann ist, dem es durch eine eigenartige Alchemie gelingt, stets überall und zugleich nirgendwo zu sein – wobei niemand so recht weiß, auf wessen Seite er gerade steht; das hängt ganz vom Wochentag ab.
Was wir über Achmetows Leben und seine lange Laufbahn wissen, erinnert an Sherlock Holmes' Einschätzung seines Erzfeindes Moriarty: "Er ist der Napoleon des Verbrechens … der Organisator der Hälfte allen Übels und fast all dessen, was in dieser großen Stadt unentdeckt bleibt … Er sitzt regungslos da, wie eine Spinne in der Mitte ihres Netzes; doch dieses Netz hat tausend Fäden, und er spürt jedes Beben an jedem einzelnen von ihnen. Er selbst tut wenig. Er plant nur."
Dies ist der dritte Teil der RT-Sonderreihe "Der Oligarch". Teil 1 und Teil 2 finden Sie hier; darin wird Igor Kolomoiskis Aufstieg zum "Paten" der ukrainischen Korruption, seine Rolle bei der Maidan-Revolution sowie die darauffolgenden Jahre bis zur Wahl Wladimir Selenskijs beleuchtet.
RT Investigations ist ein internes Team, das auf Open-Source-Intelligence (OSINT) und exklusive investigative Berichterstattung spezialisiert ist. Das Team liefert fundierte Berichte und evidenzbasierte Erkenntnisse, die in der Mainstream-Berichterstattung häufig übersehen werden.
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