Niederländer bereiten "Luxus"-Lager für russische Kriegsgefangene vor

Eine militärische Übung der besonderen Art führt derzeit die niederländische Armee durch: Sie erprobt die Errichtung eines Kriegsgefangenenlagers für 2.000 russische Kriegsgefangene. Angesichts der zunehmenden Kriegsgefahr sei dies angebracht, heißt es in niederländischen Medien.

In der nordöstlichen Provinz Groningen, gar nicht mal so weit vom ostfriesischen Emden entfernt, liegt der Ort Marnehuizen. In dem beschaulichen Dorf mit den gemütlich anmutenden Häusern lebt jedoch keine Menschenseele. Und es hat dort auch noch nie jemand gelebt. Denn Marnehuizen ist Europas größtes militärisches Übungsdorf. Es wurde 2002 im militärischen Sperrgebiet Marnewaad speziell zu dem Zweck eröffnet, den Häuserkampf zu trainieren.

Derzeit trainiert die niederländische Armee jedoch noch etwas anderes in Marnehuizen, etwas, das durchscheinen lässt, wie weit die Kriegspläne in Europa mittlerweile gediehen sind: Die niederländische Armee testet derzeit die Errichtung eines Kriegsgefangenenlagers für 2.000 Mann. Es ist die erste Erprobung dieser Art seit Jahrzehnten.

Die niederländische Presse berichtet ausführlich über diese Unternehmung im Rahmen der Übung "Fighter Lion" und kommuniziert klar, dass es sich bei den im Ernstfall unterzubringenden Gefangenen um Russen handeln wird. In den Niederlanden legt man Wert auf die Feststellung, dass die künftigen Kriegsgefangenenlager denen aus dem Zweiten Weltkrieg nicht gleich sehen werden.

Anstelle von Wachtürmen mit Leuchtscheinwerfern wird die niederländische Armee dann auf Überwachungskameras zurückgreifen, die auf hohen Masten angebracht sind. Auch die Überwachung durch Drohnen ist angedacht. Damit würde man im Kriegsfall mit wenig Bewachern auskommen. Sollten Unruhen unter den Gefangenen ausbrechen, ließe sich schnell eine Einheit herbeiholen. Gefängnisartig soll die Unterbringung der Gefangenen nach Möglichkeit nicht ausfallen.

Generalin Nicole de Wolf vom Operationeel Ondersteuningscommando Land betont: "Sie können mit einer Unterkunft rechnen, die mindestens genauso 'luxuriös' ist wie die, in der unsere eigenen Truppen untergebracht sind." Kleine weiße Zeltbaracken beherbergen die Etagenbetten, in denen die Gefangenen schlafen werden – nicht mehr als 20 Personen pro Zelt. Da sich die Niederlande als Land mit notorisch flachen Hierarchien gerieren, sind Offiziere und Mannschaftsdienstgrade gemischt untergebracht.

Ein eigener Hof, eine Gemeinschaftsdusche, ein Speisesaal sowie eine Sanitätsstation stehen im Testmodell für die künftigen Nutzer bereit. Den Gefangenen wird es erlaubt sein, Briefe in die Heimat zu schreiben, Mobiltelefone sind allerdings abzugeben. Die Planer gehen davon aus, dass die in der Infra Capacity Alliance (ICA) zusammengeschlossenen 30 Privatfirmen im Ernstfall innerhalb einer Woche ein solches Gefangenenlager errichten können.

Gemäß dem vorgesehenen Prozedere für den Kriegsfall wird ein entwaffneter Gegner so schnell wie möglich von der Frontlinie entfernt, um die Kampfeinheiten zu entlasten. In gesicherten Transporten werden die Gefangenen Hunderte von Kilometern weit weg gebracht. Anschließend erfolgen Registrierung, Verhör und ein Verbleib in Kriegsgefangenschaft, bis ein Austausch stattfinden kann.

Die niederländische Generalin gibt dabei zu, dass die angestrebte gute Behandlung der Kriegsgefangenen durchaus eigennützige Zwecke verfolgt. Nicht nur, dass man sich davon erhofft, dass auch die gefangenen Niederländer respektvoll behandelt werden. Die Armeeführung geht auch davon aus, dass sich dann mehr feindliche Kombattanten ergeben und beim Verhör wichtige militärische Informationen preisgeben werden.

Allzu ernst sollten russische Soldaten die niederländischen Verheißungen von einer "luxuriösen" Kriegsgefangenschaft allerdings nicht nehmen. Denn in der schnöden Wirklichkeit schaffen es die niederländischen Behörden bereits in Friedenszeiten nicht, die Flüchtlinge im Asylzentrum Ter Apel ordentlich zu versorgen. Immer wieder kommt es vor, dass die Asylbewerber in der prallen Sonne warten oder gar im Freien übernachten müssen.

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