Mit den derzeitigen astronomischen Frachtraten, bei denen die Kosten für den Transport von Öl mit Supertankern nach Asien 1,5 Millionen US-Dollar pro Tag erreichen, ist die Rentabilität eines solchen Tankers enorm – innerhalb weniger Monate lassen sich die Investitionen amortisieren und es lässt sich ein ordentlicher Gewinn erzielen. Davon wollen sehr viele profitieren. Wie die Zeitung Financial Times schreibt, geht es dabei um Supertanker, die etwa 2 Millionen Barrel Öl auf einmal transportieren können. Der entscheidende Faktor für die Käufer solcher Schiffe sei jetzt die schnelle Verfügbarkeit des Tankers, so die Financial Times weiter. Die Zeitung Kommersant erklärt:
"Der Nachfragefaktor war bereits zuvor spürbar: Im Januar des Jahres 2025 ließen das Bestreben Chinas und Indiens, russisches Öl zu ersetzen, sowie die Nachfrage nach VLCCs die Frachtraten auf den Routen vom Nahen Osten nach China und Singapur um mehrere zehn Prozent steigen. Im August des Jahres 2026 dann erwarb das Unternehmen Adnoc sechs Öl-Supertanker und fünf der größten Gastanker für 1,3 Milliarden US-Dollar, und dank der eigenen Flotte konnte das Unternehmen die Lieferungen trotz der Angriffe im Nahost aufrechterhalten; für den Markt unterstreicht dies den praktischen Wert bereits verfügbarer Schiffe bei Transportunterbrechungen."
Nach Angaben der Financial Times seien die Preise für fünf und zehn Jahre alte Schiffe rasant gestiegen, und Geschäfte zum Kauf und Verkauf würden nun innerhalb weniger Tage statt Wochen abgeschlossen. So wurden beispielsweise in der vergangenen Woche mehrere vor dem Jahr 2016 gebaute Schiffe zu Preisen von etwa 150 Millionen US-Dollar und mehr verkauft, während der Durchschnittspreis für einen neuen Tanker lediglich bei 135 Millionen US-Dollar liegt.
Die britische Zeitung geht davon aus, dass die hohe Nachfrage nach alten Supertankern auch auf das Bestreben staatlicher Ölgesellschaften aus dem Nahen Osten zurückzuführen ist, eine eigene Flotte aufzubauen, um in dieser schweren Zeit ihre Lieferungen weiterhin zu bekommen – sowie darauf, dass in diesem Jahr auch Händler, insbesondere das Unternehmen Trafigura, VLCC-Tanker erworben haben. Der Geschäftsführer der belgischen Reederei CMB Tech, Alexander Saveris, betont im Gespräch mit der Zeitung mit Blick auf die einzigartige Situation auf dem Markt, wo man nun mit den Supertankern schnelles Geld machen kann:
"Man kann mit dem Kauf der alten Supertanker in sechs Monaten 100 Millionen US-Dollar einsparen; wenn man also einen solchen Vermögenswert für 175 Millionen US-Dollar kauft, erwirbt man letztendlich – rein konzeptionell betrachtet – ein Schiff für 75 Millionen Dollar."
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