Krieg gegen Iran: Schafft Trump einen Ausstieg, ohne ihn als solchen zu bezeichnen?

Beide Seiten setzen auf die Vermittlung durch Pakistan, das versucht, die grundsätzlich unvereinbaren und schwer zu lösenden politischen Anforderungen in der Mitte zusammenzuführen. Es gibt einen neuen Kommunikationskanal. Er scheint zu funktionieren.

Von Pepe Escobar

Das ist es, was tatsächlich hinter verschlossenen Türen geschieht – genauer gesagt hinter mehreren Türen: Äußerst vertrauliche Informationen aus beiden Schwerkraftzentren des aktuellen Dramas, Teheran und Islamabad, zeigen in Richtung einer sich herausbildenden Architektur, die weit über Washingtons typische großspurige Inszenierungen hinausgeht. So wie es aussieht, können wir die uns vorliegenden Erkenntnisse nutzen, um die Architektur zu verstehen, unsere Fragen zu präzisieren und ein bemerkenswert schlüssiges Bild zu zeichnen.

Kurz gesagt: Die Trump-Regierung stellt den militärischen Ansatz gewissermaßen zurück, während Teheran die Eskalationsleiter weiter bereit hält. Gefahren lauern überall.

Der Unterschied ist, dass Pakistan nach der "Mutter aller Reisen" Anfang der Woche – Feldmarschall Asim Munir ging nach Teheran, um mit allen Schlüsselakteuren zu sprechen – erneut die praktischen Mechanismen für einen möglichen Ausweg Trumps aus diesem Alles-oder Nichts- Zusammenstoß mit dem Iran bringt.

Munir ging mit einer Botschaft aus den USA nach Teheran: Trump hatte ihn zuvor wieder einmal angerufen und buchstäblich um irgendeine Art von Anreiz gebettelt, um Teheran zurück an den Verhandlungstisch zu bringen (der tatsächlich von Washington zerschlagen worden war).

Islamabad teilte Teheran daraufhin mit, dass neue US-Sanktionen vor – oder während – neuer Verhandlungen rückgängig gemacht werden könnten.

Gleichzeitig kündigte das US-Finanzministerium über den abscheulichen ehemaligen Soros-Mitarbeiter Scott Bessent – den Inbegriff von Arroganz und Ignoranz – eine außerordentlich aggressive Kampagne des maximalen wirtschaftlichen Drucks an, um die iranische Wirtschaft zu strangulieren, während es gleichzeitig finanzielle Maßnahmen – beispielsweise gegen chinesische Unternehmen und Banken – zurückhielt, die diese "Kampagne" sofort systemisch gemacht hätten, und fast unmöglich, sich davon wieder zu lösen.

Und, ganz entscheidend: Der militärische Kurs wurde zurückgedrängt.

Zusammengenommen – und zusammen gesehen mit den Informationen, die uns unsere Quellen aus beiden Schwerpunkten liefern – bilden diese Maßnahmen eine zunehmend schlüssige Architektur: ein Ausstieg, der in Echtzeit zusammengebaut wird.

Trump – oder Neo-Crassus – hält aus innenpolitischen und optischen Gründen an der Rhetorik des maximalen Drucks fest. Washington behält reversible Sanktionen als Verhandlungsinstrument bei. Pakistan bewegt den politischen Verkehr zwischen Washington und Teheran. Oman diskutiert den praktischen Mechanismus rund um die Straße von Hormus. Und Teheran hält die Straße, den Druck auf die Schifffahrt und seine Eskalationsoptionen aufrecht, während es auslotet, ob Washington endlich bereit ist, ernsthaft zur Sache zu kommen.

Das ist also die wichtigste Erkenntnis: Der Iran kapituliert nicht, auch wenn Trump nicht zurückweicht.

Beide Seiten versuchen, genügend politischen Handlungsspielraum zu schaffen, um einen Schritt zu vollziehen, ohne öffentlich zuzugeben, dass sie dies getan haben.

Das macht das neue Zeitfenster für Möglichkeiten real, aber auch äußerst fragil.

Wie man eine Eskalationsleiter aufrechterhält, ohne sie zu besteigen

Munir ging mit einer konkreten US-amerikanischen Botschaft nach Teheran, die Washington der iranischen Führung übermitteln lassen wollte.

Die Möglichkeit, dass Washington die neuen Sanktionen – vielleicht – vor oder während erneuter Verhandlungen zurücknehmen würde, zeigt, dass die Sanktionen im Wesentlichen ein Druckmittel sind: ein Zwangsinstrument, das im Rahmen eines ausgehandelten Ablaufs gleichzeitig ausgesetzt, aufgehoben oder sogar als Verhandlungsobjekt eingesetzt werden kann.

Sozusagen ein Druckpaket, das seine eigene Ausgangstür beinhaltet.

Der amerikanische "wirtschaftliche D-Day" war bislang der übliche rhetorische Zirkus voller Schaumschlägerei – was im Globalen Süden unzählige Witze ausgelöst hat. Washington hat von Schritten Abstand genommen, die den wirtschaftlichen Druck unmittelbar in eine systemische Konfrontation verwandeln würden.

Das heißt übersetzt: Trump bewahrt den Verhandlungsspielraum. Die Brücke zurück zur Diplomatie ist noch nicht vollständig niedergebrannt worden. Man könnte es als taktische Pause unter Bedingungen extremen militärischen Drucks bezeichnen.

Unterdessen haben sich Iran und Oman auf einen vorübergehenden Schifffahrtskorridor und einen gemeinsamen Mechanismus zur Minenräumung geeinigt.

Teheran ist ganz klar: Dies bedeutet nicht die Wiederöffnung der Straße von Hormus.

Das heißt übersetzt: Der Iran zeigt damit Flexibilität, behält aber gleichzeitig seinen strategischen Hebel bei.

Also noch einmal: Teheran hat nicht nachgegeben. Im Gegenteil:

Die Forderungen bleiben sehr hart, darunter ernsthafte Schritte der USA bei Sanktionen, eingefrorenen Vermögenswerten, bei der Seeblockade und den militärischen Maßnahmen. Und vor allem: All dies sind Verpflichtungen, die in dem bilateral unterzeichneten Memorandum of Understanding verankert sind und unbedingt vor einer möglichen Normalisierung rund um die Straße von Hormus erfüllt werden müssen.

Schließlich behält Iran nach wie vor praktisch jedes bedeutende Zwangsmittel bei: Schifffahrtskontrollen, schwarze Listen, Festnahmen, Druck auf den Seeverkehr, potenzielle Eskalation gegen US-Interessen, potenzieller Druck gegen die regionale Energieinfrastruktur und letztendlich Optionen an der Schwelle zum Nuklearwaffenbesitz.

Das entscheidende Signal ist derzeit das, was Teheran nicht (Kursivschrift vom Übersetzer) zu tun beschließt. Teheran konzentriert sich auf Kommunikationskanäle; Vermittlung, Austausch von Botschaften; Telefon- und Live-Diplomatie. Keine strategische Eskalation. Teheran hält die Eskalationsleiter aufrecht, verzichtet jedoch – vorerst – bewusst darauf, sie zu besteigen.

Wer macht den ersten Schritt, ohne dass es so aussieht?

Nun, das ist schwierig. Washington möchte, dass Iran sich zuerst bewegt. Teheran will, dass sich die USA zuerst bewegen.

Trump kann sich politisch das Bild nicht leisten, dass Teheran ihn zurückgedrängt hat. Teheran interessiert sich währenddessen nicht um die Optik: Was es braucht, ist ein sichtbarer Beweis dafür, dass die Verhandlungen zu entsprechenden Maßnahmen seitens der USA führen, anstatt ein weiterer Mechanismus für Washington zu werden, um Iran Zugeständnisse abzuringen, während es jedes Zwangsmittel beibehält.

Pakistan, genau in der Mitte, versucht, diese Kluft zu überbrücken, indem es die zentrale Frage angeht: Wer macht den ersten Schritt, ohne dass es so aussieht, als habe man den ersten Schritt gemacht?

Die Informationen, die wir bekommen haben, ermöglichen es uns, das, was Islamabad zu übermitteln glaubt, mit dem zu vergleichen, was Teheran zu empfangen glaubt. Darin liegt der eigentliche Wert der Informationen.

Zu den zentralen Fragen gehören: Was wollte Islamabad Teheran zu verstehen geben? Und was hat Teheran tatsächlich verstanden?

Welche Reaktion sendet Teheran über diesen Kanal zurück? 

Was könnte Pakistan glaubhaft nach Washington zurücktragen?

Es gibt einen neuen Kommunikationskanal. Er scheint zu funktionieren.

Trump braucht ein Ergebnis, das er als Sieg verkaufen kann. Er braucht eine Rückkehr Irans an den Verhandlungstisch, weil der amerikanische Druck angeblich gewirkt hat. Er braucht eine Deeskalation der Lage in der Straße von Hormus, ohne den Anschein zu erwecken, Teheran zu belohnen. Er braucht eine weiterhin glaubwürdige militärische Drohung, ohne tatsächlich einen weiteren, potenziell unkontrollierbaren Krieg beginnen zu müssen.

Vor allem aber: Er braucht einen Ausstieg, der nicht wie ein Ausstieg aussieht.

Teheran seinerseits braucht sichtbare amerikanische Gegenseitigkeit. Es braucht Beweise dafür, dass Sanktionen tatsächlich aufgehoben werden können statt nur diskutiert zu werden. Es braucht die Aufhebung der Seeblockade. Es braucht Sicherheit, dass die Verhandlungen keine Falle werden, in der Iran seine Verhandlungsmacht aufgibt, während Washington seine gesamte Zwangsarchitektur intakt hält.

Und vor allem braucht Teheran eine glaubwürdige Formel rund um die Straße von Hormus, die eine ausreichende souveräne Kontrolle bewahrt, sodass im Inland und in ganz Westasien kein Eindruck der Kapitulation entsteht.

Und das bringt uns zu Pakistan, das versucht, diese beiden grundsätzlich unvereinbaren und schwer zu lösenden politischen Anforderungen in der Mitte zusammenzuführen.

Damit sind wir also erneut bei einem möglichen Ausweg angelangt. Eine winzige Öffnung. Doch das ist noch weit entfernt von einer Einigung.

Der gesamte diplomatische Prozess findet vor dem Hintergrund einer sehr ernsten, andauernden militärischen Konfrontation statt. Die amerikanische Seeblockade ist in Kraft. Teheran erklärt die Straße von Hormus offiziell für gesperrt. Die Handelsschifffahrt ist völlig schutzlos. Das Kriegsrisiko bleibt weiterhin recht hoch. Der Iran verfügt nach wie vor über erhebliche Eskalationskapazitäten. Die USA verfügen weiterhin über überwältigende militärische Schlagkraft. Eine einzige Fehleinschätzung könnte den gesamten Kommunikationskanal zerstören.

Islamabad, der Kreis um Premierminister Shehbaz Sharif, der direkt mit Trump und der iranischen Führung gesprochen hat – glaubt, dass eine gute Chance besteht, das Memorandum of Understanding wiederzubeleben, mit einem Verhandlungsfenster von 60 bis 90 Tagen, in dem beide Seiten eine umfangreichere Einigung ausarbeiten und gleichzeitig die Eskalationsleiter hinter sich lassen können, bevor dies zu einem völlig unkontrollierbaren Krieg wird.

Und dann kommt eine Nachricht aus dem Büro des iranischen Präsidenten Peseschkian. Er ist sehr erfreut über den Besuch der pakistanischen Delegation und die Botschaft, die Munir ihm von Trump übermittelt hat:

"Dieser Krieg könnte endlich zu Ende gehen – mit einem Sieg Irans."

Realpolitik? Ein schwerwiegendes Missverständnis? Oder ein Ausstieg, ohne ihn als solchen zu bezeichnen?

Aus dem Englischen übersetzt von Olga Espín.

 

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