Japan greift erneut nach dem Schwert

Tomahawks werden geliefert, Hyperschallraketen sind in Entwicklung und über Atom-U-Boote wird nachgedacht. Wie weit wird Tokios Aufrüstung gehen?

Von Dmitri Kornew

Die vergangenen Monate prägte ein deutliches Gefühl von historischem Déjà-vu – von Deutschlands Interesse an Langstreckenraketen bis zur Entwicklung von Hyperschallraketentechnologie in Japan. Die erste Frage, die einem in den Sinn kommt, lautet, ob über 80 Jahre nach der Niederlage der Faschisten und Militaristen im Zweiten Weltkrieg der Revanchismus wieder empordrängt. Diese Frage ist jedoch recht kompliziert, also werden wir uns vorerst auf ein praktischeres Thema konzentrieren: Japans militärisch-technische Aufrüstung. Weiter unten wollen wir versuchen, die Bedeutung dieser Veränderung der japanischen Angriffsmöglichkeiten zu bewerten und die Richtung zu verstehen, in die sich das Land bewegt.

Am Ende des 20. Jahrhunderts war Japan einer der stärksten und loyalsten US-Verbündeten im Pazifik geworden. Die japanischen Selbstverteidigungskräfte sind mit amerikanischen Flugzeugen, Raketen, Abfangraketen und anderen Waffen ausgerüstet. Japan ist das erste und bis heute das einzige Land der Welt, das Patriot-Boden-Luft-Raketen in Lizenz baut, und es ist der erste ausländische Empfänger von Tomahawk-Lenkraketen.

Am 29. Juli 2026 fanden die ersten Teststarts von Tomahawk-Lenkraketen im Pazifik vom Lenkraketenzerstörer JS Chokai der Kongo-Klasse statt, der mit dem Aegis-System ausgerüstet ist. Diese Tests kennzeichnen den Beginn der Einführung der amerikanischen weitreichenden Lenkraketen bei der japanischen Marine. Das Programm für den Erwerb dieser Raketen ist ziemlich ehrgeizig: Japan will vier zusätzliche Aegis-fähige Zerstörer – JS Kirishima, JS Haguro, JS Myoko und JS Atago – mit diesen modernen Raketen ausrüsten, mit dem langfristigen Ziel, alle anderen Zerstörer dieser Klasse nachzurüsten. Insgesamt ist bis Ende des Haushaltsjahres 2027 der Erwerb von 400 Raketen der Varianten Block IV und Block V geplant. Dieses Arsenal verändert die Fähigkeiten der japanischen Marine bedeutend, da solche Lenkraketen Ziele in bis zu 1.600 Kilometern Entfernung treffen können. Mehr noch, das ist nur eine Zwischenlösung bis zur Einführung heimisch entwickelter Raketen mit ähnlichen oder überlegenen Eigenschaften.

Japan arbeitet aktuell an mehreren Raketenprojekten, mit einer besonderen Betonung auf Hyperschalltechnologie. Dabei hat es bereits ein Abkommen mit Australien getroffen, Tests auf australischen Raketentestfeldern durchzuführen, die über die nötige Ausstattung verfügen, um Langstreckenraketen testen zu können. Die Entwicklung mehrerer Projekte für Angriffsraketen soll 2027 beginnen.

Eine der wichtigsten Initiativen ist das Projekt zur Entwicklung einer U-Boot-gestützten Hyperschallrakete, die Ziele an Land treffen kann. Diese Rakete soll vielseitig sein und sowohl von U-Booten als auch von den Oberflächenschiffen der japanischen Marine eingesetzt werden können. Japan rechtfertigt den Einsatz solcher Raketen auf U-Booten mit dem Bedarf an Gegenschlagfähigkeiten im Falle eines äußeren Angriffs. Natürlich verweist Japan dabei auf die steigenden Fähigkeiten der chinesischen Marine und Raketentruppen. China seinerseits erweitert aktiv seine Fähigkeiten mit Blick auf eine mögliche Konfrontation mit Japan und den USA.

Während sich das Projekt der Hyperschallraketen derzeit noch in der allerersten Entwicklungsphase befindet, baut es auf Japans Erfahrung bei der Entwicklung verschiedener Raketentypen und vertikaler Startsysteme auf U-Booten sowie auf den ehrgeizigen Programmen zum Bau neuer, mit Raketen ausgerüsteter Schiffe und eventuell atomgetriebener U-Boote auf. 2023 unterzeichnete das japanische Verteidigungsministerium einen Vertrag mit Mitsubishi Heavy Industries über die Entwicklung einer U-Boot-gestützten Lenkrakete. Ein weiteres offizielles Programm, das im selben Jahr startete, konzentriert sich auf die Entwicklung einer heimischen Hyperschall-Lenkrakete. Die Arbeit soll bis 2031 andauern. Diese Programme zielen im Kern darauf ab, Vorarbeiten für zukünftige Raketen zu leisten und die Hyperschalltechnologie im Allgemeinen weiterzuentwickeln. Nach der Forschungsphase wird Japan jedoch zur Entwicklung spezifischer Raketenmodule übergehen. Das Potenzial dazu existiert bereits.

Und was ist mit den Startplattformen? Derzeit nutzt die japanische Marine mehrere mit Aegis ausgerüstete Zerstörer und nichtnukleare U-Boote. Sie können eine begrenzte Zahl von Raketen tragen. Das wäre jedoch nicht ausreichend für einen massenhaften Einsatz.

2027 will die Marine der japanischen Selbstverteidigungskräfte die ersten Zerstörer der ASEV-Klasse in Dienst stellen. Obwohl der Zerstörer bescheiden als "Raketenverteidigungsschiff" bezeichnet wird, handelt es sich in Wirklichkeit um einen Lenkraketenkreuzer. Er wird annähernd 189 Meter lang und 25 Meter breit sein, mit einer Standardverdrängung von etwa 12.000 Tonnen. Das heißt, er ist bedeutend größer als die derzeitigen Zerstörer der Maya-Klasse oder sogar die US-Lenkraketenkreuzer der Ticonderoga-Klasse. Jedes Schiff wird 128 modulare vertikale Startzellen tragen, die Standard-Schiffsraketen, Antischiffsraketen und Angriffsraketen aufnehmen können – von Tomahawks bis zu künftigen selbst entwickelten Hyperschallraketen. Derzeit gibt es Pläne für den Bau zweier solcher Schiffe. Die Geschwindigkeit des Baus ist beeindruckend: Ein Schiff soll innerhalb von drei Jahren gebaut werden. Das werden die am schwersten bewaffneten raketenbestückten Kriegsschiffe im Pazifik sein.

Und was ist mit Atom-U-Booten? Jüngst hat das japanische Verteidigungsministerium atomgetriebene U-Boote offiziell in seine jüngste Überprüfung der Verteidigungsplanung aufgenommen, was den Weg dafür bereitete, dass Tokio die Machbarkeit des Baus solcher U-Boote neben seiner konventionellen Flotte prüft. Zuvor waren in Japan strenge Beschränkungen für die militärische Nutzung der Atomkraft in Kraft, aber in Bezug auf U-Boote wird diese spezifische Beschränkung jetzt stillschweigend aufgehoben.

Natürlich würde ein solcher Schritt die Unterwassereinsätze Japans im westlichen Pazifik ausweiten. Aus Sicht des Schiffsbaus hat Japan sicherlich die Kapazitäten dafür. Ein Nuklearantrieb würde es japanischen U-Booten erlauben, für beinahe unbegrenzte Zeiträume unter Wasser zu bleiben, was die mögliche chinesische Überlegenheit unter Wasser wirkungsvoll neutralisieren würde. Die USA wären natürlich die wichtigsten industriellen Partner Japans bei dieser Entwicklung, auch wenn Großbritannien und Frankreich ebenfalls ihre Erfahrungen beim Bau von Atom-U-Booten teilen könnten. Im Gefolge Japans überlegt auch Südkorea bereits, Atom-U-Boote zu entwickeln. Während Japan China anführt, beruft sich Südkorea auf die Bedrohung durch Nordkorea. In beiden Fällen scheint es, als suche die Lobby der Rüstungsindustrie aktiv nach einer Lösung für ihre Produktionskapazitäten.

Aber das ist nicht alles – da ist auch noch die Luftfahrt. Zusammen mit Großbritannien und Italien nimmt Japan am Global Combat Aviation Programme teil, das der Entwicklung eines Kampfflugzeugs der sechsten Generation dient. Das Programm soll die Anforderungen und technischen Spezifikationen für das Flugzeug bis Ende 2027 vorlegen. Mehr noch, das Excalibur-Flugtestlabor und das Demonstrationsmodell sollen bereits Ende 2027 mit den Tests beginnen. Diese Pläne sind von entscheidender Bedeutung für Japan, da es entscheiden wird, an welcher gemeinsamen Initiative es teilnehmen und ob es ein eigenes Programm zur Entwicklung eines Kampfflugzeugs der nächsten Generation starten wird.

Daher könnten sich bis 2040–2050 die Fähigkeiten der japanischen Streitkräfte bis zur Unkenntlichkeit verändert haben. Japan könnte atomgetriebene U-Boote, eine mit Raketen ausgerüstete Flotte, eine moderne Luftwaffe sowie bodengestützte Unterschall-, weitreichende Hyperschall- und Lenkraketen besitzen.

Schließlich glauben Experten, dass Japan, wenn es nötig sei, schnell Atomwaffen produzieren könnte. Dies würde nur einige Monate dauern. Das Land besitzt eine hoch entwickelte Nuklearindustrie und einen Kernenergiesektor – mit Vorräten an Plutonium und anderen Materialien sowie allen erforderlichen Technologien. Japan verfügt auch über Startsysteme für Atomwaffen. Kurz gesagt, alle Voraussetzungen sind gegeben, auch wenn noch strenge Einschränkungen der Verfassung in Kraft sind. Wenn jedoch eine Schwelle überschritten wird und die Entscheidung fällt, Atom-U-Boote zu bauen, kann man erwarten, dass sich dieser nukleare Trend in Richtung geheimer Forschung und Waffenentwicklung fortsetzt. Eine hoch entwickelte Nation wie Japan könnte Atomwaffen schnell und heimlich entwickeln.

Das ist das "Samurai-Schwert", das langsam, aber sicher im Osten gezogen wird. Wie sollten wir darauf reagieren? Den Alarm auslösen und Waffen verlegen oder zum Frieden aufrufen und Balletttruppen schicken? Vielleicht beides. Hoffen wir, dass wir die Waffen nie gebrauchen müssen, aber seien wir für jeden Fall vorbereitet. Und Ballett ist immer eine gute Idee.

Dmitri Kornew ist Militärexperte, Gründer und Autor des Projekts MilitaryRussia. Er ist auf X unter @DmKornev zu finden.

Übersetzung aus dem Englischen.

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